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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Jeder Satz muss stimmen.
Christoph Peters ist Maler,
Musiker und preisgekrönter Autor. Am 11. Juni liest er auf dem
NRZ-Literaturschiff.
Porträt
von Ulrike Merten in der NRZ vom 27.5.2005:
Störe ich? Nein, versicherte eine ruhige, leise Stimme im Ohr. Christoph Peters versucht gerade in seiner Berliner Wohnung zahllose Knoten aus den Jalousie-Schnüren zu entwirren. Da könnte eine kleine Gesprächspause am Telefon fast gelegen kommen... Es ist Mittagszeit, und offenbar steht der Autor nicht am Herd. Dabei kocht Peters täglich, wie er später versichert - und das mit Lust und seit 20 Jahren, "weil die meisten Restaurants schlechter kochen als ich."
Die deutsche Roulade liebt er ebenso wie das Selbstmischen seiner Currys für die Thai-Küche. Kochen ist Erotik. "Und das einzige Handwerk, das ich wirklich beherrsche", behauptet der Mann. Proben seiner kulinarischen Kunst bringt der 38-jährige Wahl-Berliner leider nicht mit aufs NRZ-Literaturschiff, wenn am Samstag, 11. Juni, ab 11 Uhr zum Bücherbummel spannende Wort-Fracht aus seiner Feder, sowie der von Ulla Hahn und Liane Dirks rheinab- und aufwärts schippert.
Immer noch Lampenfieber
Kein Zweifel aber, dass Peters ein ausgezeichneter Schriftsteller ist (aspekte-Literaturpreis, d.lit.-Preis der Stadtsparkasse Düsseldorf und der des Landes NRW). Wers noch nicht erlesen hat, kann sich selbst ein Bild machen, während der Autor ein "Tuch aus Nacht", den jüngsten, in Istanbul spielenden Roman, vor seinem Publikum ausbreitet.Eigentlich hasse er ja reisen, habe auch nach 250 Lesungen immer noch Lampenfieber. "Aber ich liebe es, meine Texte so vorzulesen, dass sie wirklich Musik werden". Musiker war Peters, 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren, erste Wahl, weil Musik die Menschen am unmittelbarsten berührt. "Bedauerlicherweise reichen meine Talente nicht", sagt er, der Flöte, Geige, Klavier und Gitarre gelernt hat - heute allerdings nur noch gelegentlich die arabische Trommel spielt und manchmal den Blues singt.
Früh, mit 15, fiel die Entscheidung zur Doppel-Existenz: Maler und Schriftsteller. "Seit ich einen Stift halten kann, habe ich immer beides gemacht." An der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe wird er 1993 Meisterschüler, trägt dort aber ebenso seine Texte vor. "Ein Professor bemerkte, ich sei als Autor besser." Das Schöne am Zeichnen: "Es ist wie Jazz. Man kann viel mehr improvisieren, braucht kein Konzept. Nur eine Linie." Rund 6000 Arbeiten sind bislang die Ausbeute. "Eine Mischung aus Informel, Beuys und naturwissenschaftlichem Zeichnen", charakterisiert Peters seinen Stil.
Beim Schreiben komme es darauf an zu wissen, "ich habe eine Geschichte, die sonst keiner hat. Und die muss ich erzählen". An den Schreibtisch setzen und Sätze finden - entwirft Christoph Peters sein Berufs-Bild. Ein disziplinierter Arbeiter - von neun bis 14 Uhr - ist der Autor, vielleicht geprägt vom Schülerleben am Bischhöflichen Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck. "Aber ich bin auch krisenanfällig. Es gibt schon mal Wochen, wo ich nix zustande bringe."
"Das ist harte Arbeit"
Peters glaubt nicht an den Mythos der Inspiration, wohl aber an die "innere Notwendigkeit", wie Kandinsky es einmal ausgedrückt hat. Zwei seiner bislang vier Bücher hatte er bereits geschrieben, ohne einen Verleger zu haben, arbeitete fünf Jahre am Frankfurter Flughafen als Fluggastkontrolleur. Ansonsten sei Schreiben harte Arbeit. "Einfälle sind nicht das Problem", sagt er. Sondern, dass jeder einzelne Satz gut ist." Mindestens 500 Mal, und das ist keine beliebige Zahl der Übertreibung - überarbeitet er jeden einzelnen. "Ich möchte, dass meine Sätze eine gewisse Haltbarkeit bekommen."
Wie kann man es in dieser Welt überhaupt aushalten, wie mit seinen Verletzungen leben? Eine Frage, die ebenfalls zum Themenkanon gehört wie das Reisen, respektive das Sesshaftsein. Auch der Niederrhein, die Landschaft, aus der Peters stammt, spielt eine Rolle. Eingearbeitet ins Satzgewebe ebenso die Selbstreflexion der Literatur: "Wir sind uns im Klaren, dass wir Fiktion schaffen, damit aber Wahres sagen können."
Das Stichwort Erfolg quittiert Peters erst einmal mit einem "Ach". Geld und Kunst, da hat er keine zwingende Verbindung hergestellt. Aber, "ich kann vom Schreiben leben und wenn man eine Familie hat, ist das einfach eine wichtige Kategorie." Flugs bekommt die eineinhalbjährige Tochter zwischendurch einen Schmatz für den entspannten Mittagsschlaf...
Nein, Peters gehört keiner Gruppe an, tauscht sich mit ein paar schreibenden Freunden und Freundinnen aus, sieht sich aber sonst in der literarischen Klimazone als Einzelkämpfer. Allerdings wünscht er sich, dass das Land Lesungen an Schulen finanziert: "Schüler brauchen den direkten Kontakt zu uns."
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]
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