Sappho, Foto: http://www.lib.utexas.edu/photodraw/portraits/sappho.jpgSapphische Verse zum Jubiläum
Dr. Artur Nickel und Judith Marleen Baier mit dem neunten Buch: „Dann öffnete sich mir die Tür..."
Schriftsteller und Lehrer Artur Nickel hat ein Gedicht in einem Sammelband über die größte Dichterin der Antike veröffentlicht. Premiere jetzt in Essen
Von Fabian May aus der WAZ , 23.11.2014:

Wer im Duden „sapphisch“ nachschlägt, bekommt als gleichbedeutende Wörter „gleichgeschlechtlich, homosexuell“ angeboten. Dabei hat die altgriechische Dichterin Sappho, die auf der Insel Lesbos in einer Frauengesellschaft gelebt haben und hauptsächlich erotische Lyrik gedichtet haben soll, mehr zu bieten, als das, was die attische Gerüchteküche vor 2500 Jahren in die Welt gesetzt hat.

Nach ihrem Übersetzer Jacob Stählin ist im Jahr 1734 „fast keiner von den tauglichen Dichtern Deutschlandes von Opitzen an bis auf unsere Zeiten, der seinen Landes-Leuten nicht die Sappho angepriesen, die besondere Zärtlichkeit ihrer Gedichte gelobet, und gewünscht hätte, ihr darinnen beykommen zu können“.

Auch der Wattenscheider Dichter Dr. Artur Nickel hat viel für Sappho übrig und hat aufgezeigt, als der Greifswalder Freiraum-Verlag poetische „Antworten auf Sappho von Mytilene“ suchte. „Man bewegt das Thema eine Weile und guckt: Passt das zu dem, was man schreibt, gibt es da Ansatzpunkte?“, erklärt Nickel sein Vorgehen. Bei Sappho scheint er einen Ansatz gefunden zu haben. Das Ergebnis ist jetzt im Sammelband „Muse, die zehnte. Antworten auf Sappho von Mytilene“ zu lesen. Hier exklusiv ein Vorabdruck in der WAZ:

erinnerung an (sappho)
der mond – (tapeten) entblättert – sein sims (von tauben) – verdreckt; die nacht – mitte kommt nicht; ich wache – eine ton – scherbe (von apfel blüten) – erzählt.

„Mond“, „ton/scherbe“, „apfel/blüten“ – Nickels Ansatz ist (wie schon auch bei seinem zuletzt erschienenen Gedicht zu Elisabeth Käsemann) auszuloten, was im Weißen zwischen den einzelnen Motiven und Zeilen entsteht. Durch die Klammerung gibt es mindestens zwei Lesarten.

Dabei mischen sich moderne und altertümliche Motive. Doch wird der Dichter hier das Gedicht nicht vollständig aufschlüsseln. Nur so viel: Die Tonscherbe, einst ein Ganzes, heute Fragment, symbolisiert für Nickel „die griechische Antike“.

Artur Nickel ist hauptberuflich Gymnasiallehrer. Als Dichter und Literaturförderer gibt er seit zehn Jahren die „Essener Anthologien“ mit heraus. Kinder und Jugendliche erhalten darin eine Plattform für ihre geschriebenen Gedanken und Geschichten zu einem vorgegebenen Thema. Die Jubiläums- Ausgabe zum Zehnjährigen heißt „Wie die Zeit vergeht“ und feiert am 25. November in der Essener VHS am Burgplatz 1 Premiere. Los geht’s um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Über das Buch und weitere Informationen: Der Sammelband „Muse, die zehnte. Antworten auf Sappho von Mytilene“, herausgegeben von Michael Gratz und Dirk Uwe Hansen, ist ab dem 1. Dezember im Buchhandel erhältlich. 110 Seiten. 14,95 Euro. ISBN: 978-3-943672-50-3. Weitere Informationen sind im Internet unter www.geest-verlag.de oder www.ruhrlesebuch.de erhältlich.

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.waz.de]

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