Ausstellung im Schlossmuseum Murnau: Willkommen
in der schönen neuen Welt
In zahlreichen Romanen veröffentlichte
Paul Alfred Müller seine Vorstellungen
vom Leben in der Zukunft. Nun würdigt eine Ausstellung den Science-
Von Freia Oliv aus dem Münchner
Merkur, 8.12.2008:
1957 schloss Paul Alfred Müller eine Wette ab: Er war
überzeugt, dass der Satellit Sputnik nicht das unendliche Universum erkunden,
sondern an der Innenseite unseres Kosmos hart aufschlagen und abstürzen würde.
Denn für Müller (1901-
Von da an schrieb er keine Science-
Wie prägend Müllers Literatur war, zeigt nun das Schlossmuseum Murnau in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich: Unter eigenem Namen und rund 30 Pseudonymen entwarf der produktive Schriftsteller Szenarien einer schönen, neuen Technikwelt, die ihre Wurzeln in der alten Mythologie hatte. "Atlantis steigt auf" heißt die Ausstellung, die einen Bogen spannt von der Prähistorie bis ins Nachkriegsdeutschland, als Müller von Ostdeutschland nach Murnau flüchtete.
Von Philosoph Platon
(um 400 v. Chr.) stammt die Geschichte der Seemacht Atlantis, die wegen
Überheblichkeit von den Göttern vernichtet wurde. Seitdem wird spekuliert: Jules
Vernes ließ Kapitän Nemo im Erdinneren die versunkene Stadt suchen; Ignatius
Donnelly sorgte mit seiner Theorie, Atlantis sei die Wiege der Zivilisation, im
19. Jahrhundert für einen SciFi-
270 Heftromane in fünf Jahren sorgten für die Massenverbreitung seiner populären Mischung aus Technikbegeisterung und Fantasie. "Atlantropa" etwa war Müllers Entwurf, den Mittelmeerraum durch Wasserabsenkung nutzbar zu machen: Windkraft, Roboter, Raketen spielten schon früh eine Rolle; Literatur und Wissenschaft inspirierten sich. Dann, zwischen 1933 und 1936, ersann Müller in 150 Groschenheften, imposant in Stapeln in der Vitrine ausgestellt, seine Geschichte von "Sun Koh. Der Erbe von Atlantis". Sein ursprünglich kosmopolitischer Held wurde allerdings, nicht zuletzt durch Müllers Mitgliedschaft in der NSDAP, immer mehr zum "arischen Kämpfer". Trotzdem wurden die Hefte 1940 verboten.
Müller selbst saß nach Kriegsende zwischen allen Stühlen,
bekam keine Anstellung mehr, flüchtete 1948 nach Murnau. Er überredet auch den
Münchner Verleger Emil Biehl und seinen Autorenfreund Helmut K. Schmidt
umzusiedeln. Nicht alle Projekte dieser Gilde waren erfolgreich, immerhin gab es
bis 1981 immer wieder Auflagen des Atlantis-
Bis 1. März, Katalog: 18 Euro. Telefon: 08841/476 207
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