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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
„Ich will über die
Gegenwart erzählen“
Die
Chamisso-
Das Gespräch führte Alexander Altmann, Münchner
Merkur, 2.3.2010:
Seit sie 1999 den
Ingeborg-
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Ich freu’ mich natürlich, wenn ich Preise kriege. Es war mir gar nicht klar, dass ich noch als Autorin mit nicht ganz deutschem Hintergrund wahrgenommen werde.
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Bis ich 15 Jahre alt war, hab’ ich kein Wort Deutsch von mir gegeben, obwohl ich’s konnte. Ich wollte nicht, weil die ganze Umgebung außerhalb der Familie Ungarisch sprach. Da meinte ich, es ist sicherer, wenn ich rede wie alle anderen.
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Es macht richtig großen Spaß, dass ich weiß, ich kann noch auf eine andere Sprache zurückgreifen. Das geschieht oft im Schreibprozess; nicht absichtlich, sondern unwillkürlich schießt von unten her eine zweite Sprache dazu, eröffnet weitere Bedeutungsnuancen. Da komme ich mir immer unglaublich reich vor.
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Als 17-
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Ja, da war die Stimmung noch ziemlich aufgeheizt. Die
Ossis waren damit beschäftigt, wer wie seinen (Arbeits-
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Ich habe mir schon als Zwölfjährige die Schreibmaschine meiner Mutter unter den Nagel gerissen und fiktive Briefe an mich selbst geschrieben, auf holzhaltigem Schulpapier. Ich fand das Schreiben als solches faszinierend, aber wenn ich mit der Maschine schrieb, war es wichtiger und gewichtiger, als wenn ich mit der Hand kritzelte. Mit der Maschine ist es „Arbeit“, die einem keiner verbieten kann. Ich habe also ein gutes Verhältnis zu Maschinen, was das anbelangt.
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Ich fahre zweimal im Jahr hin. Wenn ich dort wohnen würde,
müsste ich mich jeden Tag aufregen. Da leb’ ich lieber in Deutschland, wo
Politik so langweilig ist, dass sie einem nicht täglich auf die Füße tritt. In
Ungarn hat jeder Schaum vorm Mund, das geht so weit, dass man Leuten
Handgranaten auf den Hof schmeißt. Außerdem herrscht ein öffentlicher Ton des
Antisemitismus, des Roma-
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Ich denke schon. Sie lesen ja auch. Meine Mutter will up to date sein, sie liest alles, was auf der Liste zum Deutschen Buchpreis steht. Die sind engagierter als ich. Natürlich finden sie es toll, dass ich gelegentlich im Fernsehen bin. Für diese Generation gilt: Wer im Fernsehen ist, hat es geschafft. Wenn ich Preise bekomme, fragen sie sofort: Wie viel Geld kriegst Du da?
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Mir war schon früh klar, dass ich zu den kleinen Leuten gehöre. Für die hat Geld natürlich eine andere Bedeutung als für die Wohlhabenden. Davon werde ich mein Leben lang entfernt sein – wie die meisten Autoren. Darum gibt es kaum Geschichten, die im Milieu der Reichen spielen. Wir sind alle diesem ständigen Überlebenskampf ausgesetzt.
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Ich glaube, wegen der Siebzigerjahre ist man vorsichtig geworden mit diesem Ausdruck. Aber ich würde sagen: Mein Kernziel ist, etwas über den Menschen zu erzählen, über unser Menschsein. Und dann ist es auch mein Ziel zu schauen, in welcher Umgebung ich das tue. Ich will über die Gegenwart erzählen. Das beinhaltet auch eine kritische Betrachtungsweise des Alltags.
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.merkur-online.de]
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