Früher sehnten sich junge Mädchen nach dem
Traumprinzen. Heute lässt ein Vampir die Herzen der Teenies höher schlagen:
Edward, Held der Romanreihe „Bis(s)“ und des Kinofilms „Twilight“, bereitet
Millionen Mädchen schlaflose Nächte.Pünktlich zum Valentinstag erscheint der vierte Band der Romanreihe „Bis(s)“ von US-Autorin Stephenie Meyer auf Deutsch. Zudem geistert der Romanheld, Vampir Edward, nun auch über die Kinoleinwand. Die „Twilight“-Saga (englisch für „Dämmerlicht“) liefert neuen Stoff für uralte Sehnsüchte. Nicht nur Töchter, sondern auch deren Mütter reizt die keusche Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella. Warum?
Romantisches HändchenhaltenPräsexuelle Leiden- und Freundschaft
Wie ein Refrain zieht sich das Gefährliche, das Unmögliche, das Verbotene der
Beziehung zwischen Bella und Edward durch die Vampirsaga. Es beginnt mit Edwards
Abwehr der Freundschaft und setzt sich in unzähligen Szenen fort, in denen
Edward der Versuchung, seiner Leidenschaft für Bella freien Lauf zu lassen,
nicht erliegen darf, ohne ihr Leben zu gefährden.
Es ist vor allem die bedingungslose präsexuelle Leiden- und Freundschaft, die
das weltweite „Twilight“-Fieber ausgelöst hat. Die Beziehung folgt den Gesetzen
eines Amour fou – einer verrückten, einer unmöglichen Liebe. Es macht das
besondere Leseerlebnis aus, zu verfolgen, wie immer wieder versucht wird, das
gewaltige Liebesbedürfnis zu stillen.
Sie hat sich entschieden. Aber er zögert.
Doch über dieser Liebe hängt wie ein Damoklesschwert ihre Unmöglichkeit. Man
könnte sie mit anderen „unmöglichen” Beziehungen vergleichen. Unter ähnlichen
Schwierigkeiten wie Edward und Bella litten und leiden Paare, die aus
verschiedensten Gründen den Konventionen nicht entsprechen (altersmäßige,
ästhetische, soziale, religiöse Unterschiede; Geschwisterliebe, Homosexualität,
Beziehungen über ethnische Grenzen hinweg usw.).
Edward und Bella, das ist eine komplexe Beziehung von Anziehung und Abstoßung.
Das ist Nähe und Ferne. Wie oft bittet Edward darum, Bella möge ihm aus dem Weg
gehen. Wie oft leidet Edward darunter, dass er Bella nicht durchschaut, dass er
ihre Gedanken nicht lesen kann. Das macht sie ja auch so interessant für ihn.
(Merke: Eine geheimnisvolle Aura erregt das Interesse möglicher Partner.) Bella
empfindet ihr Verhältnis zu Edward lange Zeit als eine Beziehung auf Messers
Schneide: Sie hat sich entschieden. Aber er zögert.
Wie bei „Romeo und Julia“
Das Muster ist so alt wie die Weltliteratur. Stephenie Meyer ist für jeden der
vier Bände konkret von literarischen Vorlagen inspiriert worden: in Band eins
von Jane Austens „Stolz und Vorurteil”, in
Band zwei ist die Verbindung zu „Romeo und Julia” eng. Band drei ist Meyers
Hommage an Emily Brontës „Sturmhöhe”.
In Band vier spielen zwei Texte eine wichtige Rolle: „Der Sommernachtstraum” und
„Der Kaufmann von Venedig”. Literatur entsteht aus Literatur – Stephenie Meyer
macht kein Geheimnis daraus, im Gegenteil, sie integriert Literatur raffiniert
in ihre Vampirsaga. „Sturmhöhe” ist ein Buch im Buch und die Vampirsaga die
beste Werbung dafür.
Es ist fabelhaft, dass die „Twilight“-Fans dadurch auf die Wurzeln der
Vampirsaga hingewiesen werden, von denen aus ganz neue Lesebiografien entstehen.
Stephenies Meyers Bücher sind für die Leseförderung sehr viel wichtiger als
andere Bestseller für Jugendliche vor ihr. Im Unterschied beispielsweise zu
„Harry Potter”, der seine Fans – wenn überhaupt, daran wird noch geforscht – zur
Lektüre anderer, meist schlechterer Fantasy-Titel animiert, ermöglicht, ja
ermuntert Stephenie Meyer ihre Fans, zu den Klassikern zu greifen.
Stephenie Meyer
Der enorme Erfolg von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga hat viele Gründe. Auf den
insgesamt 2576 Buchseiten der vier Bis(s)-Bände werden große Emotionen aus
Teenager-Sicht verhandelt: Freundschaft, Liebe, Tod oder Unsterblichkeit sind
nur einige der fundamentalen Themen, die Jugendliche interessieren und von
Stephenie Meyer in einer fesselnden Geschichte ausgebreitet werden. Die
35-jährige Autorin, Mutter von drei Kindern, hat gerade erst mit dem Schreiben
angefangen. Sie hat schriftstellerische Talente und Fähigkeiten, die sich
weiterentwickeln werden. Meyer entfaltet in ihrer Prosa eine enorme Kraft und
eine schillernde Themen- und Stilvielfalt, so wie ihre Lieblingsband Muse, deren
Musik den Soundtrack für ihr Schreiben bildet, mit einem Stilmix aus Grunge,
Heavy Metal, Klassik, Punk und noch viel mehr.
Stephenie Meyer ist nicht nur ein literarisches, sie ist auch ein Pop-Phänomen.
Mit ihrem vierten Band tourte sie in Begleitung von Rockmusikern durch die USA.
Die allesamt ausverkauften Veranstaltungen waren eine Mischung aus Lesung,
Diskussion und Konzert. Begeisterte „Twilight“-Fans auf aller Welt warten
darauf, dass diese Show in ihr Land kommt.
[...diesen und
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Leseprobe I Buchbestellung 0209 LYRIKwelt © focus-Schule/Nicola Bardola