Ernst Meister in seiner Wohnung an der Berliner Straße in Hagen-Haspe, Foto: www.westfaelische-rundschau.de/Archiv Klaus Hedtfeld (hf 1009)Ein "verkannter Großer" starb vor 30 Jahren
Morgen auf den Tag genau vor 30 Jahren starb mit dem Hasper Lyriker Ernst Meister ein möglicherweise "verkannter Großer" - der Literaturwissenschaftler Walter Jens sieht es jedenfalls so.
Von Jörg Tuschhoff in Westfälische Rundschau, 15.06.2009:

Er hat sie nicht mehr erlebt, die Verleihung des Georg-Büchner-Preises. Aber er hat sich unmäßig gefreut., als er von der bevorstehenden Ehrung erfuhr. Sie war die bedeutendste von zahlreichen Auszeichnungen für das außerordentliche dichterische Werk des Hasper Lyrikers Ernst Meister, der am 15. Juni vor 30 Jahren gestorben ist.

Ernst Meister, am 3. September 1911 im damals noch selbständigen Haspe geboren, vereinigt die größten Gegensätze auf sich: von der literarischen Fachwelt als großer Dichter und Denker verehrt, ist er den Unterhaltungslesern unbekannt. Die Gedichte des Lyrikers sind nicht leicht zugänglich, sie erschließen sich nur dem, der sich intensiv mit ihnen befasst, der sie analysiert, ihren komprimierten Inhalt wieder aufschlüsselt.

Schon die Titel seiner letzten Gedichtbände machen den widersprüchlichen Ansatz deutlich: „Im Zeitspalt” oder „Wandloser Raum”. Sie deuten auf die Hauptthemen hin, mit denen sich der Lyriker beschäftigte: Leben und Tod - eine endliche Ewigkeit, eine begreifbare Leere?

Wer ist dieser „verkannte Große”, wie ihn der Literaturwissenschaftler Walter Jens nannte. Oder der „Kandinsky der Lyrik”, wie ein Kritiker der Vossischen Zeitung den Hasper schon 1932 beim Erscheinen des ersten Gedichtsbandes „Ausstellung” kennzeichnete

Ernst Meister wurde in Haspe geboren. Niemand kann dies Ereignis so treffend darstellen, wie der Dichter selbst: „Geboren wurde ich im September 1911 in Kückelhausen, einem Bezirk des völlig ruhm- und legendelosen, allerdings westfälischen Städtchens Haspe, gelegen an der Ennepe und bei Hagen.” Sein Verhältnis zu Hagen erläutert er so: „Stadt, die ich nicht gewählt habe, an die bestimmte Existenzverhältnisse mich banden, durchaus wählbare Stadt, Stadt, der ich soviel Grund habe, treu zu bleiben, du bist der Niederlassungen eine.”

Ausstellung im KEOM An der Oberrealschule, die später als Gymnasium seinen Namen trug, machte er das Abitur, um dann Theologie, Philosophie, Germanistik und Kulturgeschichte zu studieren. Der Gadamer- und Löwith-Schüler schrieb Anfang der 30er Jahre seine ersten Gedichte. Klaus Mann bescheinigte ihm damals: „Man spürt eben beinah überall das Wichtige durch: daß alles aus einem rechten und notwendigen Gefühl heraus geschrieben ist.”

Wandloser Raum von Ernst Meister, 1979, LuchterhandErnst Meister wurde für seine Gedichte mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: Droste-Hülshoff-Preis (1957), Großer Kunstpreis des Landes NRW für Literatur (1963 - gemeinsam mit Emil Schumacher, der für Malerei ausgezeichnet wurde und mit dem er 1969 gemeinsam den faszinierenden Hundertdruck „Schein und Gegenschein” gestaltete), Petrarca-Preis mit Sarah Kirsch (1976), und Rilke-Preis (1977).

Wenn auch die Namensgebung für das Gymnasium nach dessen Schließung Vergangenheit ist und der nach ihm genannte „Meister-Preis” gefährdet ist, so bleibt die Bedeutung Ernst Meisters weiter eine Herausforderung. Gearbeitet wird weiter an einer „kritischen” Gesamtausgabe seiner Werke, die auch die Hörspiele umfasst, in Münster wird das Meister-Archiv als Teil des Westfälischen Literaturarchivs ständig erweitert und wissenschaftlich bearbeitet, die Ernst-Meister-Gesellschaft in Aachen lud am Freitag und Samstag zu einer Tagung „Wandloser Raum. Ernst Meisters Gedichte zu Leben und Tod” ein, und das Karl Ernst Osthaus Museum plant eine Ausstellung der bildnerischen Werke des Lyrikers.

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