Gabriel Garciía Márquez, 1982, Foto: nobel.seVon Liebe und Tod
Der Schriftsteller Gabriel García Márquez wird 80
Von Birgit Nüchterlein aus den Nürnberger Nachrichten vom 6.03.2007:

Mit seinem Roman «Hundert Jahre Einsamkeit» hat Gabriel García Márquez weltweit eine riesige Lesergemeinde in seinen Bann gezogen. Heute wird der aus Kolumbien stammende Schriftsteller 80 Jahre alt.

«Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendía sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennen zu lernen.» Was für ein meisterhafter Roman-Einstieg. Er spannt den Bogen über Generationen und Epochen und schafft Suspense. Fans von Gabriel García Márquez wissen, wo der Satz steht - am Anfang von «Hundert Jahre Einsamkeit», der bilder- und fantasiestrotzenden Saga um die Buendía-Familie, die dem Schriftsteller zu Weltruhm verhalf. Heute wird Gabriel García Márquez, der nach einem Krebsleiden inzwischen überwiegend in Mexiko lebt, 80 Jahre alt.

Seinem berühmtesten Werk aus dem Jahr 1967 ist es in erster Linie geschuldet, dass er 1982 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Das Epos selbst haben die Leser wohl seiner Mutter zu verdanken. Die überredete den jungen Jura-Studenten einst, noch einmal in die alte Heimat zurückzukehren, wo der Familienbesitz verkauft werden sollte. So wurde García Márquez’ Geburtsort Aracataca an der kolumbianischen Karibik-Küste zum Vorbild für das fiktive Macondo, in dem «Hundert Jahre Einsamkeit» spielt. Das Buch löste in Europa einen Boom der lateinamerikanischen Literatur aus, in dessen Sog auch Autoren wie etwa Carlos Fuentes, Julio Cortázar und Mario Vargas Llosa gerieten.

Gabriel García Márquez, der auch als Journalist arbeitete und seit fast 50 Jahren mit seiner Frau Mercedes verheiratet ist, wurde am 6. März 1927 als erster von elf Geschwistern geboren. Aufgewachsen ist er bei seinen Großeltern - vor allem seine Großmutter hat ihn nachhaltig beeindruckt. Sie konnte die schauderhaftesten Dinge ohne jede Regung erzählen. Diese Unerschütterlichkeit und eine bilderreiche Sprache ließen ihre Geschichten wahrscheinlich werden. García Márquez hat sich diese Erzählweise zu eigen gemacht. Bei ihm gehen Realität und Fantasie ein Bündnis ein, das eine eigene Welt entstehen lässt. In der kann jede Übertreibung Wahrheit werden, können ohne weiteres Kinder mit Schweineschwanz geboren werden.

Nach diesem Erzählstil funktionieren auch seine anderen Bestseller, die immer auch die Wirklichkeit der «Neuen Welt» widerspiegeln. «Chronik eines angekündigten Todes» etwa, «Der Herbst des Patriarchen» oder «Liebe in Zeiten der Cholera». Einige seiner Figuren begegnen dem Leser in den verschiedenen «wunderbaren» Romanen immer wieder. Selbst einige Protagonisten im 2002 erschienenen ersten Teil seiner Autobiografie «Leben, um davon zu erzählen» dürften Kennern bekannt vorkommen.

Inzwischen ist es ruhiger geworden um «Gabo», der für seine Freundschaft zu Fidel Castro von Schriftsteller-Kollegen immer wieder kritisiert wurde. Zuletzt erschien 2004 «Erinnerung an meine traurigen Huren», der Literat scheint in seinem Herbst angelangt. Als prominentester Vertreter des «Magischen Realismus» Lateinamerikas gilt er noch immer.

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