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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Der Geschichte-Erzähler
Geert Mak
Von Wolfgang Platzeck in der WAZ
vom 13.3.2008:
"Die meisten heutigen Städter brauchen nur ein paar
Generationen zurückzugehen, und sie stoßen auf einen Großvater, einen Großonkel
oder einen Urgroßvater, der sich noch als Bauer über Wasser halten musste."
Die Landwirtschaft als Ernährerin, Lehrmeisterin des Menschen, das Dorf als
weitgehend autarke Gemeinschaft von "Überlebenskünstlern": Die älteste Form des
menschlichen Zusammenlebens musste tatsächlich Erinnerungsspuren in unserem
kulturellen Gedächtnis hinterlassen haben. Anders war die ungeheure Faszination
nicht zu erklären, die sich 1999 nach der Lektüre von Geert Maks wunderbarem
Buch "Wie Gott verschwand aus Jorwed" einstellte.
Im Rückgriff auf alte Dokumente, nach eigenen Beobachtungen und Gesprächen mit
Dorfbewohnern verfolgt Mak - auf hohem literarischem Niveau - Werden und Wandel
des friesischen Dörfchens durch die Jahrhunderte bis in die 90er Jahre. Der
niederländische Publizist berichtet vom Ende einer auf Kontinuität gerichteten
Lebens- und Wertgemeinschaft und von den Auswirkungen, derer wir uns erst
allmählich bewusst werden. Jorwed wird zum Symbol eines gesamteuropäischen
Phänomens.
Der große Geschichtenerzähler unter den Historikern unserer Zeit möchte Europa
in seiner heutigen Form begreifbarer machen, möchte den Europäern jene Nähe
verdeutlichen, die sie seiner Meinung nach seit 1914 verloren haben. So
schilderte der heute 61-Jährige 2003 in "Das Jahrhundert meines Vaters" die
bewegte Geschichte seiner Familie im 20. Jahrhundert - und weitete sie gänzlich
unangestrengt zur Geschichte nicht nur der Niederlande, sondern des ganzen
Kontinents aus. Dessen Befindlichkeiten spürte er "In Europa. Eine Reise durch
das 20. Jahrhundert" nach (2005, wie alle Bücher bei Siedler erschienen) - und
wieder durfte man staunen angesichts Maks beispielloser Fähigkeit, der
Geschichte Europas ein Gesicht zu geben, sie in zahllosen Details sichtbar,
fühlbar, sinnlich wahrnehmbar zu machen.
Der Leipziger Preis zur Europäischen Verständigung hätte keinen würdigeren
Träger finden können.
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.waz.de]
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