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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Krieg ist nicht unvermeidlich
Von Liliane Zuuring in der WAZ
vom 19.10.2009:
Nur wenige Intellektuelle –
Geisteswissenschaftler zumal – mischen sich in humanistischer Tradition so in
die Belange der modernen Gesellschaft ein wie
Claudio Magris (70). Der italienische Literarhistoriker und Romancier, der
am Sonntag den mit 25 000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
erhielt, warnte denn auch in der Frankfurter Paulskirche vor Gefährdungen des
Friedens: Den Krieg für unvermeidlich zu halten sei die eine Gefahr, Krieg und
Barbarei für abgeschafft zu halten die andere, sagte Magris bei der gestrigen
Preisverleihung.
Der italienische Erfolgsautor, Übersetzer und Professor für Deutsche Literatur
in Triest war schließlich auch schon Politiker, von 1994 bis 1996 als Senator in
Rom, er gründete mit Umberto Eco 2002 die
Vereinigung „Freiheit und Gerechtigkeit", als kritisches Gegengewicht zur
Berlusconi-Regierung.
Magris, der regelmäßig Betrachtungen der italienischen und europäischen
Gesellschaft auf der Titelseite der Zeitung „Corriere della Sera"
veröffentlicht, bezieht Position zur Straffreiheit von Hooligans, zu Spaltungen
innerhalb der Kirche, zum von der Regierung zur Beruhigung Chinas
heruntergespielten Besuch des Dalai Lama in Italien. Die Türkei sieht er als
Teil „von uns", als Grenzgebiet, in dem sich die Beziehungen zum Islam zeigen.
Und er nahm die Familie der Koma-Patientin Eluana Englaro in Schutz, die die
künstliche Ernährung stoppen ließ. Sie habe mit gesundem Menschenverstand
entschieden. Und der sei es, „der die einzige prekäre Linie bleibt, entlang der
man sich bewegen darf. Andernfalls rutscht man in ideologische Abstraktionen
ab."
Magris, der den Deutschen Umberto Saba und
Ippolito Nievo übersetzte und den Italienern
Joseph Roth und Elias Canetti, will
klären, umfassende Betrachtungen anregen. Er beschreibt die kulturelle und
politische Vielfalt Europas und setzt sich seit Jahrzehnten mit dem Problem des
Zusammenlebens verschiedener Kulturen auseinander – in Romanen wie in Essays,
aber auch in dem originellen, schon 1988 auf Deutsch erschienenen Buch „Donau.
Biographie eines Flusses". Seine Bücher, die sich nicht zwischen Tür und Angel
lesen lassen, sind voller literarischer Anspielungen, verwobener Geschichten und
philosophischer Exkurse. Und viele „verdanken dem Wasser" ihre Entstehung. Das
Meer, in dem er allmorgendlich schwimmt, Grenzen und Reisen treiben Claudio
Magris um. Doch ebenso gern schreibt Magris in seinem Triestiner Stammcafé „San
Marco". Ein Tisch ist hier stets für ihn reserviert.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]
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