Und am Samstag kommt das Sams
1973
schrieb Paul Maar „Das
Sams” - und wurde damit zu einem der erfolgreichsten deutschen
Kinderbuchautoren. Am kommenden Donnerstag feiert der gebürtige Schweinfurter
seinen 70. Geburtstag.
Von Christoph Gahlau
aus dem Münchner
Merkur, 10.12.2007:
Die heutige Generation der Kinder sitzt immer
mehr vor dem Fernseher oder dem Computer. Pädagogen beklagen, die Fähigkeit,
Geschichten zu erzählen, gehe immer mehr verloren. Wie haben Sie das Erzählen
gelernt?
Ich hatte zwei Großeltern, eine Großmutter
mütterlicherseits und einen Großvater stiefmütterlicherseits. Meine Mutter
ist bei der Geburt gestorben, mein Vater hat wieder geheiratet. Meine Großmutter
hat mir, als ich so etwa vier Jahre alt war, ganz einfache Geschichten erzählt.
Und mein Opa Schorsch, der eine Dorfwirtschaft in Obertheres hatte, war ein Erzähler.
Er bekam abends seine Wirtschaft schon deshalb voll, weil alle darauf gewartet
haben, was er für Geschichten bietet.
Wie haben Sie Ihre Kindheit in Erinnerung?
Sie war zum Teil sehr sonnig, als ich
bei meinen Stiefgroßeltern in Obertheres war. Sie wurde dann etwas schwieriger,
als mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und wir nach
Schweinfurt umzogen. Es war die Nachkriegszeit, und es gab nicht viel, auch
keine Bücher. Mein Vater musste sich erst an mich gewöhnen, und ich mich an
ihn. Wahrscheinlich hat er sich vorgestellt, da sitzt nun ein Sportler wie er.
Aber da saß nun einer mit etwas gebeugtem Rücken und mit einer Brille und hat
viel gelesen. So hat er sich seinen Sohn nicht vorgestellt. Wir hatten ein
bisschen Schwierigkeiten miteinander.
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Der Königsweg zum Schreiben führt über
das Lesen. Ich habe damals schon für die Schülerzeitung „Pulverblättchen”
in Schweinfurt erste Schreibversuche gemacht. Dann habe ich mich erstmal, im
Nachhinein, falsch entschieden, weil ich gleichzeitig gut gemalt habe. Ich hatte
immer eine Eins in Deutsch und eine Eins in Kunst. Fragen Sie nicht, was ich in
Mathe oder Chemie hatte.
Sie haben sich dann zunächst für das Malen
entschieden und studierten an der Kunstakademie in Stuttgart.
In Stuttgart hatte mich meine alte Liebe
für das Schreiben eingeholt, und ich habe meine erste Hörfunkerzählung für
Erwachsene geschrieben. In der Akademie hatte ich bald schon den Spitznamen
„der Dichter”. Mit den eigenen Kindern begann ich, die Geschichten aus
meiner Kindheit zu erzählen, die mir allerdings schnell ausgingen. Dann fing
ich an, eigene Geschichten zu erfinden. Irgendwann kommt man auf die Idee: Das
interessiert vielleicht auch andere.
Ihr drittes Buch „Das Sams” ist ein
Verkaufsschlager geworden. Hatten Sie damit gerechnet?
Nein. Ich habe damals sicher 80 Lesungen
im Jahr absolviert, und so wurde das Buch bekannt. Der Verlag hat nämlich kaum
Werbung gemacht. Normalerweise ist es so, dass ein gutes Buch sich im ersten
Jahr 10 000 Mal verkauft, im nächsten Jahr 7000, dann 5000, dann 4000. Beim
Sams war es genau umgekehrt.
Wie sind Sie auf das Sams gekommen?
Eigentlich ist das Sams gar nicht meine
Hauptfigur, sondern der schüchterne, angepasste Herr Taschenbier. Mein Vater
hatte einen Buchhalter, der Taschenbier sehr ähnlich war. Selbst wenn er
ungerecht geschimpft wurde, hat er nichts gesagt. Ich war auch ein wenig schüchtern
und dachte mir, so wie der möchte ich nicht werden. Deswegen habe ich die
Geschichte eines solchen Mannes geschrieben.
Und warum der Name „Sams”?
Ganz einfach. Am Sonntag scheint die
Sonne, am Montag kommt Herr Mon, am Dienstag ist Dienst, am Mittwoch Mitte der
Woche, am Donnerstag Donner und am Freitag frei. Ganz logisch, dann muss am
Samstag das Sams kommen. Dann hatte ich verschiedene Möglichkeiten, das Sams zu
zeichnen und nach dem zehnten Versuch waren auch meine Kinder zufrieden.
Überlegen Sie noch, für Erwachsene zu
schreiben?
Manchmal. Ich bin nun mal auf diese
Schiene Kinder- und Jugendbuchautor gesetzt. Und wenn ich einem Buchhändler erzähle,
dass ich ein Buch für Erwachsene schreiben will, dann ist der immer ganz
entsetzt.
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