Gila Lustiger, 2005, Foto: Ekko von Schwichow

Gila Lustiger
Foto: Ekko von Schwichow

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Gila Lustiger will sich ans Revier heranpirschen
Künftige Stadtschreiberin zu Gast auf Zollverein
Von JD in der NRZ vom 16.9.2017:

Ob sie über die AFD schreiben wird? Oder die Spuren von Anis Amri verfolgen? "Keine Ahnung", sagt Gila Lustiger, die ab Oktober wie ein unbeschriebenes Blatt ihr Amt als erste Stadtschreiberin antreten will. Oder wie es in weltläufiger Diktion natürlich heißen muss: als Poest in Residence. Wie viele Zechen es hier noch gibt und wann die letzte geschlossen wird, wollte ihr Sohn neulich noch beim Frühstück in Paris wissen - "keine Ahnung" auch hier, sagte Gila Lustiger am Donnerstagabend beim Jahrestag der Brost-Stiftung auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein, die das Autoren-Stipendium finanziert.

Am Mangel an Ahnung dürfte sich bei Gila Lustiger an diesem Abend allerdings postwendend etwas geändert haben. Denn Peter Lohmeyer gab nicht nur den Reviertyp-Darsteller, sondern auch zwei extratypische Revier-Texte: Joseph Roths Klassiker "Der Rauch verbindet die Städte" über das Ruhrgebiet, wie es mal im Buche stand, und Frank Goosens "Nicht schön, aber direkt" über das Revier von heute und seinem Kampf mit den überkommenen Klischees.

Doch Gila Lustigers erste Impression von der Verkäuferin bei Rossmann, die sich wohl noch bis November das Klagen der Kunden über viel zu frühe Lebkuchen-Angebote anhören muss, verspricht einen etwas anderen Blick: "Ich bin die", sagt die 54-Jährige nur mit einem Hauch von Koketterie, "die schon als Schülerin lieber mit den Augen der Fliege gefolgt ist als dem Unterricht." Sie neige dazu, sich an die Dinge vom Rand heranzupirschen. Vielleicht die beste Position, um Erwartungen zu erfüllen, die Bodo Hombach als Vize-Chef der Brost-Stiftung benannte mit dem Diktum: "Kultur ist mehr als Theater und Museen, Kultur ist das Erkennen besserer Alternativen, ist Einspruch gegen lähmende Verhältnisse."

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