Gila Lustiger, 2005, Foto: Ekko von Schwichow

Gila Lustiger
Foto: Ekko von Schwichow

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Stadtschreiberin Ruhr: Gila Lustiger
Auftakt für ein neues Format: Das Revier bekommt Gast-Schriftsteller für ein Jahr. Die Brost-Stiftung finanziert das Projekt, die Lit.Cologne berät
Von Jens Dirksen in der NRZ vom 26.7.2017:

Gerd Herholz, Leiter des Literaturbüros Ruhr, fordert es seit über einem Jahrzehnt, nun ist es so weit: Das Ruhrgebiet bekommt eine Stadtschreiber-Residenz, und die erste Stadtschreiberin Ruhr wird die 1963 in Frankfurt geborene, seit drei Jahrzehnten in Paris lebende Autorin Gila Lustiger, die zuletzt mit ihrem sorgfältig recherchierten Kriminal- und Gesellschaftsroman "Die Schuld der anderen" (2015) Furore machte. Zuletzt veröffentlichte sie mit "Erschütterung" einen großen, persönlich gefärbten Essay über die Folgen des Terrors.

Gila Lustiger wird ein Jahr lang Gast der in Essen ansässigen Brost-Stiftung sein, sie bezieht ein Gehalt, bekommt eine Wohnung vor Ort gestellt und soll das Ruhrgebiet von möglichst vielen Seiten kennenlernen. "Ich bin sehr, sehr aufgeregt," versicherte die Schriftstellerin gestern dieser, "ich kenne das Ruhrgebiet nur von einigen meiner Lesungen - also fast gar nicht. Meine Freunde in Paris können nicht verstehen, dass ich von dort wegziehe, um ins Ruhrgebiet zu gehen. Aber ich freue mich, ich bin gespannt - auch wie sich die deutsche Zivilgesellschaft verändert hat, ich bin ja mit 17 Jahren weggegangen."

So sind wir von Gila Lustiger, 2005, BerlinDas Stadtschreiber-Projekt der Brost-Stiftung ist zunächst auf fünf Jahre angelegt, aoll aber danach möglichst weiterlaufen. Die Residenz vergibt die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Lit.Cologne; die Begrüßung des oder der neuen Stadtschreibenden und ab 2018 dann auch die Verabschiedung der scheidenden als eine Art Staffelübergabe soll Programmteil der Lit.Ruhr werden, die in diesem Jahr vom 4. bis zum 8.Oktober zum ersten Mal über die Bühne gehen soll.

Verbunden mit der Stadtschreiber-Residenz ist die Verpflichtung zu regelmäßigen Bühnenveranstaltungen mit Revier-Bürgern und Kulturschaffenden. Zugleich soll eine denkbar große Handbibliothek zur Geschichte des Ruhrgebiets zur Verfügung gestellt werden.

Der Brost-Stiftung, erläutert deren stellvertretender Vorsitzender Bodo Hombach, sei beim Stadtschreiber-Ruhr-Projekt zum einen der Blick von außen sehr wichtig, zum anderen ein gesellschaftspolitischer Ansatz - als Stadtschreiber seien nicht nur Schriftsteller denkbar, sondern Publizisten aller Art, vom Drehbuchschreiber bis zum Blogger: "Im Ruhrgebiet", so Hombach, "ist eine reiche menschliche, kulturelle und historische Schatzsuche möglich. Eine Herausforderung für Entdecker. Frau Lustiger hat ihre Entdeckerfreude und -fähigkeit nachlesbar bewiesen. Die Brost-Stiftung ist stolz darauf, sie für diese Aufgabe gewonnen zu haben."

Das Stadtschreiber-Amt solle das Wissen über und die Neugier auf das Ruhrgebiet steigern, auch jenseits der nationalen Grenzen.

Gila Lustiger, die für ihren Erfolgsroman "Die Schuld der anderen" zwei Jahre lang Menschen in französischen Klein- und Großstädten nach ihrem Alltagsleben befragt hat, sagt auch mit ihrem Blick auf ihr Abenteuer Ruhrgebiet: "Herumstreunern ist das, was ich am liebsten mache. Man ist ja zuerst Schriftsteller mit den Augen und dem Ohr. Und ich versuche ja immer, von den Rändern her zu erzählen, von den vielsagenden Anekdoten her. Das lebt von den Details, und die bekommt man nur aus der eigenen Anschauung."

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]

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