Karl Hermann Limberg, Foto: privat, mit freundlicher Genehmigung von Michael Limberg (hf0411)Unerwartet für Familie, Freunde und seinen großen Bekanntenkreis starb am 9.Oktober 1963 im 78. Lebensjahr der Vorsitzende des Bergischen Schriftstellerkreises Karl Hermann Limberg.
Von Hans Schulz in der Gevelsberger Zeitung, Oktober 1963:

Viele Jahre hat er ehrenhalber diese Gemeinschaft geführt, die schon über 100 Jahre alt sein soll. Nach dem Krieg war er maßgeblich beteiligt an der Gründung des Westdeutschen Autorenverbandes, blieb in den letzten Jahren aber dessen Treffen fern, weil er im WAV zu wenig Kontakt zu finden vermochte. K.H.Limberg bevorzugte die kleinen Kreise, in denen die Poeten sich persönlich und freundschaftlich begegnen und in denen man sich gegenseitig zu neuem Schaffen anregen kann. Vom Treffpunkt der Bergischen Autoren aus dem Gasthaus "Zum alten Kuhstall" am Zoo in Wuppertal, unterstützte er tatkräftig vor zwei Jahren die Gründung des inzwischen sehr aktiv gewordenen Autorenkreises Ruhr.Mark (Sitz Hagen), half mit an der Durchführung des Dichtertreffens innerhalb der Kreiskulturwoche Ennepe-Ruhr im vorigen Jahr in Gevelsberg und war organisatorisch beteiligt am Entstehen der Sammlung "Weggefährten - zeitgenössische Autoren aus dem Ruhr-Wupper-Raum" (Verlag Baltin Gevelsberg, 1962).

Ergänzend dazu sein erwähnt, daß er als sehr bescheidener Mensch sich nie vordrängte und sich nie von selbst anbot, um sein eigenes Schaffen in den Vordergrund zu stellen. Mehr als seine Person suchte er stets seine Schriftstellerfreunde zu fördern, aus deren Werken er las, wenn man ihn rief. Seine eigene Lyrik und Prosa streute er meist nur am Rande ein. (So auch in Gevelsberg am 4.Oktober 1961 bei einer Lesung in einer Veranstaltung des Heimatbundes).

Als überzeugt religiöser Mensch (ein großer Teil seiner Lyrik ist religiös fundiert) stand er stets auf der Seite der Ärmsten der Armen.

Wenn z.B. vom Zuchthaus Lüttringhausen die Aufforderung an ihn kam zu lesen, versagte er sich nie, obwohl ihn gerade diese Lesungen immer besonders erschütterten, aber auch beeindruckten, wenn 600 Menschen hinter Mauern so schweigsam zuhörten, daß man das Auffallen einer Stecknadel hätte hören können. Auch vor Industriearbeitern und -angestellten las K.H.Limberg gern, um vor allem die handarbeitenden Menschen zum guten Buch und zur schöngeistigen Literatur zu führen. Weil die weiche, sich einfühlende Stimme dieses großen, hageren Mannes mit dem scharf geschnittenen Kopf und den feinen Zügen besonders ältere Leute ansprach, wurde er oft von Altenkreisen gebeten, zu lesen.

K.H.Limberg besaß ein empfindsames Gemüt, das ihn in den letzten Altersjahren vor allem Rückblick in eine schöne Jugend halten ließ. Man lese nochmals nach die Kurzgeschichte "Vom Baum meiner Jugend" und die beiden Gedichte "Figuren im Sand" und "Die stillen Teiche" in dem Buch "Weggefährten", um dem Lebensgefühl des alternden Poeten Limberg nachzuspüren!

Neben der Dichtung, der fremden und der eigenen, war er stets verliebt in schöne Gemälde, in klassische Musik und in das Problemtheater. Viele Jahre bis zu seinem Tod wirkte er aktiv im Künstlerischen Ausschuß der Kulturgemeinde Volksbühne Wuppertal.

Seine Freunde, der Kreis der "Weggefährten", verliert in ihm eine Persönlichkeit, der man nach einem langen Leben ehrlich das Prädikat "ein feiner Mensch" geben kann.

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter Gevelsberger Zeitung]

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