Trauer
um Carola Lepping
Die
Schriftstellerin starb kurz vor Vollendung ihres 88. Lebensjahrs
Von Robert
Sernatini in
Musenblätter
vom 7.5.2009:
Gestern erreichte uns die traurige Nachricht vom Tod Carola Leppings, die eine Woche vor Vollendung ihres 88. Lebensjahrs in Hückeswagen gestorben ist. Erst kürzlich war sie von ihrer Wohnung im Herzen der Altstadt in das Seniorenheim Johannesstift umgezogen. Hier wollte sie den Abend ihres Lebens umsorgt verbringen. Es war ihr nicht vergönnt, die Fürsorge, die sie zeitlebens anderen geschenkt hatte, selber zu genießen.
Carola Lepping hat in den erfüllten Jahren ihres Lebens einen bleibenden Platz im Herzen der Hückeswagener und ihrer Stadt erworben. Sie hat darüber hinaus etwas geschafft, was nur Wenigen vergönnt ist: sie hat ein großes literarisches Werk hinterlassen, das weit über ihre Lebensspanne und die regionalen Grenzen ihrer Heimat seine Gültigkeit behalten wird.
Ein erfülltes Leben
Am 14. Mai 1921 in Elberfeld geboren, kam sie
als 20-jährige schon 1941 kriegsbedingt nach Hückeswagen, wo sie als Lehrerin
eingesetzt wurde und für das weitere Leben Wurzeln schlug. Ab 1943 lebte sie
ständig hier, fand eine neue Heimat, der sie sehr verbunden war und Aufgaben,
die sie mit vielen Generationen junger Hückeswagener zusammenbrachte: zunächst
als Lehrerin, dann als Bibliothekarin und schließlich als Autorin wurde Carola
Lepping Bestandteil der Hückeswagener Kultur und Gesellschaft. „Die Schule und
die Bibliothek waren immer mein Leben“, äußerte Carola Lepping im Jahr 2005 in
einem Interview. Hie und da schrieb sie für regionale Blätter. Ihr
lokalbezogenes Bilder-Buch „Das alte Haus auf Hartkopsbever“ aus dem Jahr 1970
wurde zu einem regionalen Dauerbrenner.
Charles Veillon-Preis
In der großen Literaturwelt tauchte ihr Name erstmals 1953 auf, als sich die
junge Frau um den renommierten Charles Veillon-Preis bewarb, ihn zwar nicht
gewann, doch belobigt wurde. Werner
Bergengruen, dem sie 1949 einen ersten Entwurf gegeben hatte, gehörte zu
ihren Förderern ebenso wie Karl Schmid, der ihr Talent erkannte. Schon 1954
reichte sie ein weiteres, unfertiges Skript: „Bela reist am Abend ab“ ein, bekam
eine sechswöchige Frist zur Fertigstellung gesetzt und gewann 1955 mit den
Stimmen von u.a. Albrecht Goes, Karl Schmid,
Karl Heinrich Waggerl und
Carl J.
Burckhardt den begehrten Literaturpreis, den später auch
Johannes Bobrowski,
Alfred Andersch,
Heinrich Böll und
Max Frisch bekamen. Auch
Thomas Mann setzte sich brieflich dafür
ein, ihr den Preis zuzusprechen.
Durch den Hückeswagener Ortspolizisten Lienenkämper quasi in letzter Minute von der hohen Ehre benachrichtigt (Telefon hatte ja 1955 kaum jemand), konnte die junge Volksschullehrerin noch in der Nacht vor der Verleihung auf einer Rangierlok der Bahn nach Köln mitfahren, wo sie den Expreß nach Zürich erreichte. Das Reisegeld streckte der Rektor ihrer Schule vor, gute Strümpfe borgte seine Frau.
Opus magnum
Das Preisgeld legte Carola Lepping in einer mehrmonatigen Studienreise nach
Paris an, eine Ausgabe, von der sie, wie sie im persönlichen Gespräch immer
wieder betonte, stets profitiert habe.
[...diese und weitere
Besprechungen finden Sie unter
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