Fritz Kühn,  Foto: WR (hf0511)

Zum 125. Geburtstag von Fritz Kühn: Umstrittener Ehrenbürger
Von Katja Hofbauer in der Westf. Rundschau, 10.10.2008:

Nicht nur der gleichnamige Platz erinnert in seiner Vaterstadt an ihn, auch sonst hat das Leben und Wirken von Fritz Kühn einige Spuren in Iserlohn hinterlassen. Heute vor 125 Jahren wurde er geboren.

Der Name Fritz Kühn weckt oft gemischte Gefühle, seine Mitgliedschaft in der NSDAP hat kontroverse Diskussionen ausgelöst, 1993/94 wollten die heimischen Grünen ihm die Ehrenbürgerschaft aberkennen und den nach ihm benannten Platz umbenennen - manche fordern das immer noch.

Fritz Kühn war Mitglied der so genannten „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot” (einer gemäßigt rechtsstehenden Verbindung) und erhielt im März 1933 ein Mandat bei der Kommunalwahl. Im Juli schlossen sich die zwei Ratsmitglieder der Kampffront, darunter Kühn, der NSDAP an. Fritz Kühn ermöglichte so indirekt der NSDAP die Mehrheit im Stadtrat, er blieb bis 1945 Ratsmitglied. Was die Grünen und andere Bürger zudem störte, war sein fehlendes Hinweisen auf das Schicksal der Iserlohner Juden. Immer wieder gab es deshalb „Anschläge” auf seine Büste, ihr wurde gar ein brauner Müllsack übergestülpt.

Doch die braune Parteimitgliedschaft schmälert in den Augen vieler seine Lebensleistung nicht sehr. „Er war ein hervorragender und lauterer Mensch, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen”, urteilte etwa vor einigen Jahren der frühere Vize-Bürgermeister Walter Zielke (SPD), der 1956 die von der SPD beantragte Ehrenbürgerschaft Kühns begründet hatte. „Die Fähigkeit, sich zu einer Mitschuld wegen mangelnden Widerstandes zu bekennen, kann als allgemeine Schwäche bei ihm und auch anderen seiner Generation gesehen werden”, erklärte die FDP 1994 in einer Stellungnahme. „Es tut mir leid, dass er nach dem Krieg eine große Chance ausgelassen hat und dass er ein dickes Loch in der Geschichtsschreibung hinterlassen hat”, so Pfarrer Martin Herbers bei einer Diskussion des Friedensplenums 1994.

Dort betonte Stadtarchivar Götz Bettge, dass Kühn bei der Entnazifizierung die Kategorie drei („erheblich belastet”) erhalten habe. Kühn sei aber wegen akuten Lehrermangels wieder eingestellt und 1949 pensioniert worden.

Kühns Ehrenbürgerschaft (die erste nach dem Zweiten Weltkrieg) war 1956 einstimmig von allen im Rat vertretenen Parteien beschlossen worden, auch NS-Gegner (etwa der frühere Zentrums-Vorsitzende Josef Bodden) hatten dem zugestimmt. Es gibt zudem Aussagen von (bisher anonym gebliebenen) Zeitzeugen, nach denen Fritz Kühn jüdischen Mitbürgern geholfen und diejenigen Schüler bestraft hatte, die sich an den Plünderungen jüdischer Geschäfte beteiligt hatten. Leider sind diese Aussagen nicht nachprüfbar.

Fritz Kühn wurde am 11. Oktober 1883 im Gebäude der ehemaligen evangelischen Volksschule Obergrüne geboren. Er war Volksschullehrer in Berchum und Hohenlimburg, ab 1908 Realschulrektor in Iserlohn. In den 1930er Jahren begann er mit dem Aufbau der ersten Iserlohner Mittelschule an der Mendener Straße und wurde deren Rektor. Zudem war er seit 1930 Organist und später Presbyter im Bezirk der Obersten Stadtkirche, Leiter des Hauses der Heimat und des Stadtarchivs. Der Veteran des Ersten Weltkriegs war Kreisvorsitzender des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er engagierte sich im IBSV, war Ehrenhauptmann. Der SGV ernannte ihn zum Ehrenmitglied, die Landsmannschaft Pommern überreichte ihm die Ehrennadel.

Fritz Kühn war auch als Autor tätig. Allein für die „Schriftenreihe Haus der Heimat” tätigte er vier Publikationen, die erste Folge der in „Beiträge zur Geschichte Iserlohns” umbenannten Folge wurde nach seinem Tod ihm gewidmet. Seit 1926 hatte er auch für den IKZ geschrieben, beliebt waren seine „Fritzchen-Fröhlich-Geschichten”.

Fritz Kühn starb am 3. August 1968 in Iserlohn. Mit ihm verlor Iserlohn eine Vaterfigur: „Papa Kühn” wurde er liebevoll genannt, als hilfreich, tolerant, anständig und gütig beschrieben. Zum 11. Oktober 1968 hatte die Stadt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für ihn beantragt

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