Michael Krüger, 2007, ©Foto: Marko Lipus

Michael Krüger
Foto: Marko Lipus

www.literaturfoto.net

Dichter sind wichtig
Michael Krüger präsentiert Lyrik in Nürnberg
Interview von Inge Rauh in den Nürnberger Nachrichten vom 11.10.2006:

Eine besondere Lyrik-Lesung kündigt das Literaturhaus Nürnberg heute (20 Uhr) im Marmorsaal der Nürnberger Akademie (Gewerbemuseumsplatz 2) an. Michael Krüger, Chef des Hanser-Verlags, stellt seine „Edition Lyrik Kabinett“ vor. Auf der Lesereise kurz nach der Buchmesse begleiten ihn in Nürnberg der Inder Ranjit Hoskoté und der Amerikaner Charles Simic. Krüger (62), selbst namhafter Schriftsteller, moderiert den Abend und liest die deutschen Übersetzungen.

Macht man mit Lyrik Umsatz oder ist sie ein Schmuckstück fürs Verlagsprogramm?

Michael Krüger: Man macht natürlich kein Geld damit, aber es ist die älteste Literaturform und sicher auch die interessanteste und wandlungsfähigste. Es gibt keinen Grund, sie nicht zu pflegen, auch wenn kein Mensch sie gerade lesen will.

Michael Krüger, Susan Sontag und Umberto Eco, 2003, Foto: Ekko von Schwichow

Michael Krüger, Susan Sontag und Umberto Eco, Foto: Ekko von Schwichow
www.schwichow.de

Was bedeutet dann eine Lesetour mit Dichtern angesichts der großen Konkurrenz allein im belletristischen Bereich?

Krüger: Ich glaube, dass man das Großartigste zu hören kriegt, wenn man sich darauf einlässt. Es ist ja immer so, dass die Menschen Angst haben, sich auf etwas Unbekanntes einzustellen. Ich habe nie verstanden, warum. In unserer Gesellschaft, in unseren Wahrnehmungskategorien sind die Dichter eben nicht etwas Wichtiges. Aber wenn die Menschen sie dann hören, sind sie begeistert. Jeder hört ja auch gerne Reime oder Lieder. An Gedichten ist immer auch etwas Überraschendes.

Was hat Sie zu Ihrer Auswahl bewogen, mit der Sie jetzt unterwegs sind?

Krüger: Ich habe mit dem Lyrik-Kabinett eine neue Reihe begonnen, die die Weltpoesie vorstellen soll. Charles Simic ist ein berühmter amerikanischer Dichter, der den Pulitzer-Preis erhalten hat, Christoph Meckel einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter. Ranjit Hoskoté habe ich ausgewählt, einmal weil Indien als Schwerpunkt auf der Buchemesse war und Poesie in Indien eine große Rolle spielt - in Frankfurt war das allerdings nicht der Fall. Auch die Übersetzungen finde ich großartig gelungen. Ich denke, dass das auch in der Darbietung gut funktioniert. Man muss das ja immer wieder probieren.

Sie haben selbst eine Reihe von Gedichtbänden veröffentlicht und als Verfasser von Gedichten eine lange Erfahrung. Erschließt die zeitgenössische Poesie dem Menschen Räume, die ihm sonst verschlossen blieben?

Krüger: Die Autoren leben ja in der gleichen Welt wie wir, sie haben sicher ein ganz besonderes Verhältnis zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt, sind also vielleicht besonders geeignet, uns etwas darüber zu erzählen. Ich finde immer, dass gerade die Dichter die Probleme in sehr kurzer Form darstellen. Dabei habe ich mehr über unsere Welt erfahren als in anderen Texten. In der Lyrik, so wie ich sie lese, gibt es immer eine substanzielle Beschäftigung mit einer komplizierten Materie. Das trifft im übrigen auf die gesamte Moderne zu. Warum wird denn Rilke immer noch auf der ganzen Welt gelesen?

Wer also Ihre Dichter heute in Nürnberg hört, darf sich auf einen erfreulichen Abend einstellen?

Krüger: Oh, sehr. Da gibt es etwas zu entdecken.

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

Leseprobe I Buchbestellung 1206 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Nürnberger Nachrichten