Leidenschaft, Fantasie und
originelle Sprachkunst
Brigitte
Kronauer wird heute 65 Jahre alt
Von
Gudrun Norbisrath in der
WAZ, vom 29.12.2005:
Sie ist so viel gelobt worden, dass einem schwindelig werden kann: Brigitte Kronauer, die heute 65 Jahre alt wird. Marcel Reich-Ranicki nannte sie "die beste Prosa schreibende Frau der Republik". Das ist schon ein Weilchen her, kann aber als Maßstab dienen.
Brigitte Kronauer wurde in Essen geboren. Sie war zunächst Lehrerin; in den 70-er Jahren erfüllte sie sich den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Genauer: Avantgardistische Schriftstellerin. Sie ist unerhört produktiv, schrieb kürzere Prosastücke, Essays und Romane. Fast 20 Bücher sind es. Schon der erste von 1980, "Frau Mühlenbeck im Gehäus", bewies die leidenschaftliche Sprachkunst, die Leser und Kritiker immer wieder in ihren Bann schlägt. Dabei entwickelt Brigitte Kronauer gelegentlich eine fast beängstigend ausufernde Beschreibungswut. "Teufelsbrück", der Roman, für den sie 2003 den Grimmelshausen-Preis erhielt (im gleichen Jahr wurde sie mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet ausgezeichnet), birst vor raffinierten Selbst- und Fremdbezügen, vor ebenso komplizierten wie effektvollen Sprachgebäuden.
Brigitte Kronauer lebt seit über 30 Jahren in Hamburg. Im November erhielt sie den Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Die Akademie würdigte sie als "Meisterin des Vexierspiels, der höheren Heiterkeit und des musikalischen Schreibens."
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