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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Zwischen Bukowski und Schimmerlos
Franz
Xaver Kroetz wird morgen 60 und hat wieder Zeit zum Schreiben gefunden.
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 23.2.2006:
Es war still geworden um Franz Xaver Kroetz, der jetzt, mit 60, endlich so aussieht wie sein Name immer schon klang. Mitte der 70er Jahre noch einer der meistgespielten Stückeschreiber der Republik, war sein Schreibfluss schon in den 80ern zum Rinnsal geworden. So erinnerte er sich daran, dass er am Max-Reinhardt-Seminar eigentlich mal den Schauspielerberuf erlernt hatte - und wurde Schmuddeljournalist: Seine Rolle als Baby Schimmerlos in der Satire-Serie "Kir Royal" war allerdings eine der letzten Gelegenheiten, bei denen sich Kroetz noch jenseits der Klatschspalten wiederfand, ansonsten tauchte er mehr in der "Bunten" als in den Feuilletons der Republik auf. Zuletzt wieder, als er sich Anfang 2005 nach mehr oder minder glücklichen Jahren mit drei Kindern doch von Marie-Teres Relin trennte. Seither scheint er wieder genug Zeit zum Schreiben zu haben. In seinen "15 ungewaschenen Stories", die jetzt unter dem Titel "Blut & Bier" erschienen sind, schreibt er von Schriftstellern mit Schreibschwierigkeiten. Und vielleicht sollte man nicht so unvorsichtig sein, gleich jeden der 15 Schriftsteller dieser schlanken Geschichtchen für einen Kroetz zu halten - einer ist schließlich sogar schon tot, beim Rasenmähen am Herzinfarkt verreckt, und "erlebt", wie eine Fotoreporterin bei ein paar letzten Aufnahmen in der Leichenhalle auffällig hysterisch beteuert, sie habe wirklich nichts von ihm gewollt, damals im Novotel in Bochum....
Wer ist bloß Gabi Schenkel?
Eine etwas andere Rolle ist dagegen "Gabi Schenkel, der größten Klebstoffherstellerin Europas" zugedacht: Wer da als Vorbild gedient hat, ist angesichts einer Reichen-Party in Düsseldorf nur mehr notdürftig verschleiert, und man geht wohl nicht ganz falsch in der Annahme, dass Kroetz auf einen gewissen Wiedererkennungseffekt spekuliert hat, auch bei der armen Dichterfrau, die nicht nur die kleinen Kinder, sondern auch das große am Schreibtisch bemuttern muss.
Daneben ist in diesen Geschichten auch manches Klischee wiederzuerkennen. Das vom Dichter, der ein dreckiges Miststück sein und andere ausnutzen muss, um was zuwege zu bringen, zum Beispiel. Oder das vom Jungautor, der gut ist und Biss hat, weil er noch raus will aus seinem verdammten Keller, weil er noch keinen Jaguar hat, sondern Hunger und den einen oder anderen Durst auch. Zusammen mit mäßig originellen Pointen bleibt ein gewisser Wüstheits- und Restalkohol-Gehalt zu konstatieren, der unterm Strich allerdings nur auf einen Miniatur-Bukowski für Niederbayern schließen lässt.
Vielleicht hat es auch etwas zu bedeuten, dass nun auch noch eine "Kir Royal"-Fortsetzung geplant ist - wie man hört: mit einem leicht gealterten Baby Schimmerlos, der ein bisschen wie Franz Xaver Kroetz aussieht. (NRZ)
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]
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