Claire Waldoff, Foto: Archiv von Maegie Koreen (hf1009)Claire Waldoff wird 125: Maegie Koreen erinnert an die „Berliner Schnauze“ aus Gelsenkirchen
Chanteuse aus dem Ruhrpott trifft die Radautüte am 21. Oktober in der Kaue - Eine Geburtstagsfeier mit Chansons, Liedern und biographischen Anekdoten
Von Hermann Henkel unter Gelsenkirchen.de, 19.10.2009:

Eigentlich hieß sie Clara Wortmann, stammte aus Gelsenkirchen und wurde als 11. von 16 Kindern einer Gastwirtsfamilie im Jahr 1884 geboren. In einer Zeit also, als im Revier viele Männer und Väter bei Schlagwetterexplosionen ihr Leben ließen und Not und Leid über die Familien kamen. Das waren nicht die besten Voraussetzungen für eine große Karriere, zumal Clara und ihre Geschwister im Kneipenmilieu und in einem vom Freidenkertum geprägten Elternhaus aufwuchsen. Schon gar nicht wurde ihr an der Wiege gesungen, dass sie einmal zu den berühmtesten Frauen Gelsenkirchens zählen würde. Und doch war es der Gesang, der sie weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht hat. 125 Jahre nach ihrer Geburt steht die Königin des Kabaretts und wohl berühmteste Interpretin des deutschen Chansons unter ihrem Künstlernamen Claire Waldoff noch immer in jedem Lexikon und allen einschlägigen Internetportalen.

Am 21. Oktober, dem 125. Geburtstag Claire Waldoffs, erinnert Maegie Koreen, die bedeutende Chanteuse aus dem Ruhrpott, mit einem Chanson- und Liederabend in der Kaue an ihre berühmte Landsfrau aus Gelsenkirchen. Maegie Koreen, die sich seit gut 20 Jahren mit Leben und Werk der Waldoff befasst, seit 14 Jahren u.a. mit ihren Chansons und Liedern auf der Bühne steht, etliche eigene CD-Produktionen heraus brachte und 1997 eine vielbeachtete Biographie mit dem Titel „Immer feste druff - Das freche Leben der Kabarett-Königin Claire Waldoff“ schrieb, hat ein umfangreiches Programm mit Bildern, biographischen Anekdoten und 20 Chansons zusammen gestellt, das sie am 125. Geburtstag präsentieren wird.

Maegie Koreen und Claire Waldoff, Foto:Archiv von Maegie Koreen (hf1009)Maegie Koreen wird erzählen, wie aus der Gelsenkirchener Göre Clara Wortmann die Berliner Radautüte Claire Waldoff wurde, wie sie in den Golden Zwenties mit flotten Sprüchen und frechen Liedern Furore machte, mit Humor, Witz und Volkstümlichkeit die Herzen ihrer Zeit im Sturm eroberte, wie ihr die künstlerisch vollendete Umsetzung des Lebensgefühls, der Vitalität und der Weltsicht der kleinen Leute gelang. Und Maegie Koreen, die vor 20 Jahren „ihre“ Waldoff bei Elke Heidenreich für sich entdeckte, wird von den weniger aufregenden letzten Lebensjahren Claires berichten, als z. B. Gelsenkirchens damaliger Oberbürgermeister Robert Geritzmann sie noch einmal an ihrem Wohnort Bad Reichenhall besuchte und sie von Erinnerungen an ihre Heimat an der Ruhr erzählte.

„Claire Waldoff orientierte die Thematik ihrer Chansons an ihrer grundsätzlich menschlichen Einstellung, trotzdem war ihr Vortrag frei von jeder kitschigen Rührseligkeit - und sie nahm ihre Impulse aus der politischen und sozialen Realität“, beschreibt Maegie Koreen die positiven Eigenschaften der Berliner Schnauze aus Gelsenkirchen. „Die Waldoff war“, so ihre Biographin, „auch eine künstlerische Perfektionistin, für die viele berühmte Komponisten ihrer Zeit wie Walter Kollo u.a. Lieder auf den Leib geschrieben haben“. Ihre Chansons im Berliner Jargon, den sie sich auf Kneipentouren angeeignet hatte, wurden teilweise zu Gassenhauern wie z. B. „Wer schmeißt denn da mit Lehm“ oder „Hermann heeßt er“. Rund 600 Lieder und Chansons hat die Kabarett-Königin auf die Bühne gebracht, nicht nur in Berlin, denn sie tourte etliche Jahre auch quer durch die Lande.

Als Claire Waldoff 1957 verarmt und krank in Bad Reichenhall starb, war Maegie Koreen in Gelsenkirchen gerade mal drei Jahre alt. Dass sie einmal als „Chanteuse aus dem Ruhrpott“ in die Fußstapfen ihrer Landsfrau Waldoff treten würde, das wurde auch ihr nicht an der Wiege gesungen.

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