Lew Kopelew, 1995, Foto: Doris Poklekowski

Lew Kopelew
Foto: Doris Poklekowski

www.foto-poklekowski.de

„Brückenbauer und Anreger”
Düsseldorfer Ausstellung erinnert an Menschenrechtler Lew Kopelew
Besprechung von Ilka Heiner in der Westf. Rundschau, 7.05.2009:

Lew Kopelew war ein Kosmopolit jüdischer, ukrainischer, russischer Herkunft. Gleichsam war er aber auch tief verwurzelt in der Region.

„Von Moskau an den Rhein - der Humanist Lew Kopelew in Nordrhein-Westfalen” ist die Ausstellung überschrieben, die dem Schriftsteller, Wissenschaftler und Menschenrechtler gewidmet ist und gestern in der Bürgerhalle des NRW-Landtags in Düsseldorf eröffnet wurde.

Große Liebe zur deutschen Sprache

„Toleranz, Moral, Menschlichkeit - die Ideale und Träume der deutschen und russischen Aufklärer sind keine wirklichkeitsfremden Utopien. Sie sind Wegweiser für unsere Gegenwart und Zukunft.” Mit diesen Worten des russischen Intellektuellen eröffnete Landtagspräsidentin Regina van Dinther die Ausstellung. Sie vergegenwärtigt anhand zahlreicher Dokumente wie Fotos, Briefe oder Zeitungsausschnitte auf großformatigen Schautafeln ein Bild dieser großen Persönlichkeit.

Als Vorsitzender des Lew Kopelew Forums (Köln) führte Fritz Pleitgen durch die Schau, die zugleich die Ereignisse der 80er und 90er Jahre in der Bundesrepublik widerspiegelt. Den großen Humanisten charakterisierte Pleitgen so: „Er war ein grandioser Kommunikator, ein Brückenbauer, ein Anreger. Wenn etwas getan werden sollte, dann sofort. Auch nachts. Willy Brandt, Johannes Rau und Klaus Kinkel können davon ein Liedchen singen, wenn es um Verfolgte in Diktaturen oder Aktionen gegen Landminen ging. Sein Material und Gerät waren Kultur und Menschlichkeit.” Kopelew, 1912 in Kiew geboren, hätte von klein auf neben seiner Muttersprache eine große Liebe zur deutschen Sprache, zu Deutschland und zur deutschen Kultur entwickelt. „Den wünschte ich mir jetzt an meiner Seite”, sagte Pleitgen mit Blick auf 2010, wenn das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt wird. „Und er wäre gern dabei”, zeigte sich der Geschäftsführer überzeugt.

Die Ausstellung über den Bürgerrechtler, der selbst ausgebürgert und nach offenem Widerstand gegen Ausschreitungen der Roten Armee in Ostpreußen wegen „Mitleid mit dem Feind” zu zehn Jahren Straflager verurteilt wurde, zeigt vor allem die vorurteilsfreie Entdeckerfreude des russischen Intellektuellen, seine Neugier auf den Westen und seine Liebe zur adoptierten Wahlheimat Deutschland.

Bis 24. Mai. Platz des Landtags 1, in Düsseldorf. Anmeldung Tel. (0211) 884 2422

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in www.westfaelische-rundschau.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0509 LYRIKwelt © Westf.Rundschau