Michael Köhlmeier, 2007, Foto: Ekko von Schwichow

Michael Köhlmeier
Foto: Ekko von Schwichow

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Köhlmeier erzählt
Artikel von Anita Pollak aus Kurier, Wien, vom 4.7.2005:

Hinter den sieben Bergen wohnt ein Erzähler und alles, was er anfasst, wird zur Geschichte. Michael Köhlmeier lebt in Vorarlberg, schreibt Romane und quasi nebenbei gräbt er in den Schätzen der Weltliteratur. Nach Sagen des klassischen Altertums, der Bibel, den Nibelungen, den Grimmschen Märchen und mehr ist er als Nacherzähler jetzt und wie er sagt "abschließend" heimgekehrt nach Österreich.

Reicher Schatz

Den ganzen Sommer über bis Ende September erzählt Köhlmeier allwöchentlich auf Ö1 Sagen aus Österreich, die gesamte Reihe wird es ab Mitte August als CD-Box geben, neun Hörbuch-CDs, für jedes Bundesland eine. "Es gibt fast viel zu viel", sagt Köhlmeier, dessen Arbeit ja schon in der Auswahl aus dem reichen Schatz bestand, wobei er einerseits auf in Büchern vorhandene Sammlungen, andererseits auch auf mündliche Erzählungen zurück griff.

"Aber ich bin kein Sagenforscher, sondern Erzähler, mich interessiert das Menschliche und da stellt sich heraus, dass die strenge Unterscheidung zwischen Sagen und Märchen eine akademischer Unsinn ist, je strenger, desto langweiliger. Bei menschlichen Archetypen spielt es immer ins Märchenhafte hinüber." Die Zeit ist ein Filter. Uninteressante Stoffe werden vergessen, interessante werden weitergegeben, überliefert.

"Alles, was mit Migration und Armut in allen Ausformungen zusammenhängt, Geschichten von verlorenen Kindern, von sexuellen Übergriffen gehören dazu". Die Moral der jeweiligen Geschichten wurde, so vorhanden, von den Interessen der Erzähler, "oft Oberstudienräten", formuliert, denn Originale gibt es ja nicht. "Diese Geschichten haben dann eine ganz leicht ablösbare, aufgeklebte Moral".

Die Freiheit zu erzählen, was und wie er will, hat sich Köhlmeier immer genommen. Denn: "Ich erzähle und Erzählung definiert sich durch den Erzähler". Seine Auswahl war trotz des formalen Korsetts – neun Bundesländer mit je sieben Sagen – willkürlich, zumal dieses nicht der tatsächlichen Sagendichte, die eher auf Regionen bezogen ist, entspricht.

Sagendichte

"Wien hat die interessantesten Sagen, im Donauraum, wo es zum Austausch mit Fremdem gekommen ist, gibt es sehr bunte Sagen. Zu meiner Betrübnis gibt Vorarlberg wenig her, aber Tirol strahlt, da gibt es tolle, großartige Sagen, in der Steiermark schlägt sich das alte Verrückte durch und im Burgenland weht schon ein Zigeunerwind". Erst als das längst geplante Sagenprojekt fertig war, ist Erzähler und Produzenten aufgefallen, dass es mitten ins Gedenkjahr fällt. "Jedenfalls schön, dass man mit dem letzten Produkt heimkehrt."

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