Gruber geht von Doris Knecht, 2011, RowohltDoris Knechts Debütroman
"Gruber geht" ist der erste Roman der KURIER-Kolumnistin und erzählt die Geschichte von Gruber, der zwischen Krebs und Kinderwunsch gefangen ist.
Von Peter Pisa im Kurier, Wien, 18.03.2011:

Es wird am Ende keine "Knödel" für sie geben. Als KURIER-Kolumnistin wird ihr Debütroman nicht bewertet. Doris Knecht hätte sich also nicht so bemühen müssen. Ihr Held Gruber ist ein Karriere-Typ, fährt Porsche, wechselt Frauen, wird sehr krank und verliebt sich. Man kann auch einen Fiat haben und verheiratet sein, um sich bös' ertappt zu fühlen.

KURIER: Sie haben einen Mann seziert. Fanden Sie mehr als Hirn mit Ei?
Doris Knecht: Dass er ein Hirn hat, kann er erst ganz gut verbergen. Wobei Grubers offensive Oberflächlichkeit ja schon ein bissl einen rebellischen Charakter hat, ein adoleszenter Protest gegen die Eltern, den er beim Erwachsenwerden abzulegen vergessen hat.

Sie geben Gruber eine Chance, dass er sich ändert.
Ja, schon. Aber damit kein Missverständnis aufkommt: Es ist nicht die Krankheit, die ihn läutert. Die Krankheit macht ihn verletzlich, was dazu beiträgt, dass er empfänglicher wird für echtes Gefühl. Was ihn ein kleines bisschen verändert oder offener macht, ist die Liebe.

Ein dummer Mann muss also nicht Krebs kriegen, um ein Mensch zu werden?
Nein! Durch Krankheit wird doch kein Mensch besser oder schlechter! Aber manchmal hilft es, eine kluge Frau zu treffen.

Ist das Ende ein optimistischer Neuanfang?
Das ist relativ. Ein Happy End ist ja trügerisch; einerseits ist es schön, wenn sich zwei kriegen, aber damit kriegen sie auch alle Probleme vom anderen, den Alltag, die Macken, den Streit um nicht ausgedrückte Zahnpastatuben und Geld und merkwürdige Freunde und wie man richtig lebt. Deshalb sind die romantischsten Liebesgeschichten die, in denen sie sich nicht kriegen.

Dass Sie die Gruber'sche Fortsetzung schreiben, ist ausgeschlossen?
Ausgeschlossen nicht. Aber ich hirne am nächsten Roman noch herum.

Sie sind ja vielstbeschäftigt. Wann hirnen und schreiben Sie Romane?

Das denkt sich so nebenbei mit. Und irgendwann überkommt's mich und ich schreibe wieder einen Schwall. Es hilft außerordentlich, wenn der Lektor sagt: 20 Seiten in zwei Wochen. Alte Journalistenkrankheit: ohne Deadline keine Kreativität.

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter kurier.at]

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