Michael Klaus, Foto: www.assoverlag.deAbschied vom Dichter des Reviers
Starb mit 56: Michael Klaus
Von Jens Dirksen in der NRZ vom 03.06.2008:

Michael Klaus war ein Großmeister der kleinen Form und er war in allem, was er schrieb, ein Dichter. Nicht nur als Lyriker. Oft gab er ja der Prosa den Vorzug, sie kam seiner ruhrigen Neigung zum schnörkellosen, notfalls brutal realistischen Klartext am weitesten entgegen, auch beim Einrahmen mit leisem Lächeln und hingetupftem Gefühl. Seine Erzählungen gerieten ihm oft zu ungereimten Gedichten, Wort für Wort durchrhythmisiert und verdichtet bis zum Bersten, bis in jeden Buchstaben hinein voll von Welt. Von unserer Welt, unserem Alltag und den Verhältnissen, die wir kennen, aber die uns erst einer wie Michael Klaus benennen, beschreiben, erzählen muss, damit wir sie auch erkennen.

"Nordkurve" und "Nullvier"

Seine Geschichten, Satiren und Prosa-Miniaturen sind so eigen, dass man eine Genre-Bezeichnung dafür erfinden müsste, es sind lyrische Szenen, auf den Punkt gebrachten Lebensdramen. Nichts also, womit man es hierzulande zu literarischem Ruhm bringen könnte, dafür muss es immer noch der große Roman sein.

Dabei hat Michael Klaus, der 1952 im sauerländischen Brilon-Wald zur Welt und im Ruhrgebiet, wo er aufwuchs, zu seinen Geschichten kam, gute Romane geschrieben. "Nordkurve" etwa,. die vor allem in der Verfilmung von Adolf Winkelmann bekannt wurde. Oder "Scherpe & Ziska", ein beinharter und doch ungeahnt zärtlicher Jugendroman. Und schließlich "Totenvogel, Liebeslied", mit dem Michael Klaus seine Krebserkrankung auf denkbar typische Weise verarbeitete. Doch öffentliche Anerkennung hat er am ehesten mit Stipendien und anderen Auszeichnungen erfahren, etwa dem Literaturpreis Ruhr Anfang der 90er Jahre.

Im Hörfunk, wo er seine sonore, stets nach Rauch klingende Stimme noch ein wenig mehr vibrieren lassen konnte als sonstwo, hatten seine Geschichten oft Platz. Und als die Ruhr-Triennale sich der wichtigsten Nebensache der Welt widmen wollte, war es der Mann aus Gelsenkirchen, der den Auftrag bekam, ein Fußball-Oratorium zu schreiben ("Die Tiefe des Raumes) - Michael Klaus hatte schließlich auch das Libretto für das Schalke-Musical "Nullvier" verfasst und etliche Drehbücher fürs Fernsehen. Als Vizepräsident des P.E.N. Deutschland kümmerte er sich um Exil-Autoren, sofern ihm seine Krankheit die Energie dazu ließ.

Seit Sonntag muss Michael Klaus nicht mehr kämpfen. Die Literatur im Ruhrgebiet hat einen ihrer Tapfersten und Besten verloren. (NRZ)

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