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Weltanschauung Zynismus.
Der Schriftsteller Ephraim Kishon ist gestorben
Von Christine Diller im Münchner Merkur, 30.1.2005:

Jetzt kann er es nicht mehr leugnen. "Ich bin kein Schriftsteller. Ich bin nur ein Humorist", sagte Ephraim Kishon zu Lebzeiten von sich. "Erst wenn man stirbt wird man Schriftsteller." Am Samstag hatte der 80-Jährige in seinem Zweitwohnsitz im schweizerischen Appenzell eine tödliche Herzattacke erlitten. Der mit 43 Millionen Auflage wohl erfolgreichste Satiriker starb, nicht ohne zuvor einen letzten Vorsatz gebrochen und damit seinen Fans einen Trost hinterlassen zu haben. Der Roman "Der Glückspilz" aus dem Jahr 2003 sei sein letztes Buch, hatte Kishon behauptet und eingeräumt, dass die Versuche eines Rauchers, sein Laster einzustellen, häufig misslängen. Und auch Kishon hat sein schönstes und für seine Leser erfreuliches Laster nicht aufgegeben. Noch am Donnerstag erteilte er seinem Verlag Langen Müller Herbig in München die Druckfreigabe für sein wirklich letztes Werk, das im März erscheinen soll: "Kishon für Österreicher - und alle, die es gern wären.

Vielleicht wäre er es selbst gerne gewesen. Jedenfalls muss er eine besondere Neigung zu Österreicherinnen gehabt haben. Schon die erste Frau Eva Klamer, mit der er 1949 nach Israel auswanderte, war Wienerin. Und seit zwei Jahren war er mit der österreichischen Autorin Lisa Witasek verheiratet. Literarische Berühmtheit erlangte jedoch seine zweite Frau Sara, mit der er bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 über 40 Jahre lang verheiratet war, als "beste Ehefrau von allen". Dabei verhehlte er, der sich über die Tücken der Bürokratie, die Fallstricke von Institutionen im Allgemeinen und der Ehe im Besonderen lustig machte, nicht, dass "hinter einer langen Ehe immer eine sehr kluge Frau steckt".

"Sie ließen einen Satiriker am Leben."
Ephraim Kishon

Eines Satirikers würdig war vieles, was Kishon im Lauf seines Lebens begegnete. Jedenfalls besaß er die Kunstfertigkeit, es so darzustellen. Und diese erlangte er nicht zuletzt durch die Notwendigkeit, immer wieder Überlebensstrategien entwickeln zu müssen: "Mein Zynismus ist eigentlich eine realistische Weltanschauung."

Am 23. August 1924 wurde er als Ferenc Hoffmann, Sohn eines jüdischen Bankiers, in Budapest geboren. Ein Großteil seiner Familie wurde in Auschwitz ermordet. Der junge Ferenc hatte zunächst Glück: Der Lagerkommandant war schachbegeistert wie er. "Sie machten einen Fehler, sie ließen einen Satiriker am Leben", kommentierte Kishon später den Tag, als er doch neben anderen Häftlingen erschossen werden sollte, aber übergangen wurde. Auf dem Weg in das Vernichtungslager Sobibor gelang ihm die Flucht. Nicht zum letzten Mal. Denn nachdem er eine Weile mit dem Kommunismus sympathisiert hatte, musste er auch vor Stalins Schergen fliehen. In dieser Zeit tauchte er mit dem Namen "Kishont" unter. Bei seiner Einwanderung nach Israel verschlampte der Beamte dort den letzten Buchstaben, erklärte lakonisch, "Ferenc gibt es nicht", und machte den Künstlernamen mit "Ephraim" komplett.

Mit Gelegenheitsarbeiten schlug sich Kishon durch, lernte Hebräisch und begann, Glossen in der Zeitung "Ma'ariv" zu veröffentlichen. Mit "Blaumilchkanal" hatte er in den 50er-Jahren in Israel seinen Durchbruch. 1961 wurde sein Buch "Drehn Sie sich um, Frau Lot!" mit Begeisterung in Deutschland aufgenommen. Immer wieder ließ er die Genugtuung durchklingen, dass er seine größte Fangemeinde im Land seiner einstigen Verfolger hat: 32 Millionen seiner Bücher erschienen auf Deutsch. Der wenig euphorischen Literaturkritik zum Trotz.

Obwohl seine konservative Haltung bekannt war, hielt er sich mit politischen Äußerungen meist zurück. In seinem letzten Interview, das er am Freitag den "Stuttgarter Nachrichten" gab, ging er auf die anstehende Rede des Bundespräsidenten Horst Köhler in der Knesset ein: "Ich rate Herrn Köhler, eine kleine Rede auf Hebräisch vorzubereiten, in der er seinen Respekt vor der Sprache der Bibel und Jesus Christus bekundet. Dann sollte er um Verzeihung bitten, dass er in seiner Sprache fortfährt."

Kishon sollte noch gestern nach Tel Aviv überführt werden, wo die Beisetzung stattfindet.

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2.)

Er war gern der letzte Mohikaner.
Zum Tod von Ephraim Kishon
Von Anita Pollak aus dem KURIER, Wien vom 30.1.2005:

"Die Humoristen sterben aus, so bin ich der letzte Mohikaner“, hat er mir vor einigen Jahren erklärt. Seit Samstag ist auch der letzte Mohikaner tot.

Ephraim Kishon war mehr als ein Bestsellerautor. Er war der Inbegriff davon. Seine „Familiengeschichten“ sollen das meistverkaufte Buch in hebräischer Sprache sein. Nach der Bibel. Vor dieser Konkurrenz hat sich sogar Kishon gern verbeugt.

Spätes Glückskind

Alles, was der 1924 in Budapest geborene Ferenc Hoffmann als Jude im Holocaust erleiden musste, wurde dem Israeli Ephraim Kishon irgendwie irgendwo gutgeschrieben.

Ein Großteil seiner Familie ist in Auschwitz umgekommen, er selbst hatte nur knapp überlebt. Mit seiner Ankunft in Israel 1949 änderte er seinen Namen und sein Leben. Was er nie ändern konnte, war sein ungarischer Akzent, obwohl er natürlich überzeugt war, perfekt deutsch zu sprechen. Nach dem Tod seines genialen Übersetzers Friedrich Torberg, der Kishon im deutschen Sprachraum so populär machte, übersetzte sich Kishon eben selbst und ließ sich dann korrigieren.

„Ich glaube, jemand hat mich gern da oben“ war das späte Glückskind überzeugt. Das hat ihm jeder, der ihn kannte, aufs Wort geglaubt. Viele Jahrzehnte hatte er an seiner Seite die „beste Ehefrau von allen“ und mit ihr auch eine wunderbare Figur für seine Geschichten. Nach ihrem Tod heiratete er 2003 die 47-jährige Salzburger Autorin Lisa Witasek. „Essen ist meine Lieblingsspeise“ zitierte er gern und sicherlich war er kein Kostverächter.

„Gibt es einen typisch israelischen Humor, und wenn ja, warum nicht?“

Die Liebe, die ihn und seine Bücher aber am meisten prägte, war die zu Israel. Er, der sich gern als Vater des israelischen Humors betrachtete, war stolz auf sein Land, „Trotzdemia“, dem unerschöpflichen Quell seiner Anekdoten. „Gibt es einen typisch israelischen Humor und wenn ja, warum nicht?“ hat er in einem seiner Bücher gefragt und im Gespräch selbst darauf geantwortet. „Das jüdische Volk hat einen eigenartigen selbstkritischen Humor entwickelt, weil das der einzige Weg war, die Erniedrigungen und Verfolgungen über 2000 Jahre zu überleben. Aber Israel ist kein Ghetto, sondern ein freies Land und so könnte das, was ich schreibe, genauso gut für Deutsche geschrieben worden sein. Auf der ganzen Welt lachen Menschen auf dem gleichen intellektuellen Niveau über das Gleiche“.

Der weltweite Erfolg seiner mehr als 50 Titel mit einer Gesamtauflage von mehr als 43 Millionen Büchern in 37 Sprachen (32 Millionen davon allein auf Deutsch!) erhärtet seine These. In Israel gelang ihm schon in den 50er-Jahren mit der Geschichte vom „Blaumilchkanal“ der Durchbruch. Seine literarische Handschrift und sein Erfolgsrezept, die liebevolle Entlarvung menschlicher Schwächen, den scharfen Blick auf die Unzulänglichkeiten der Gesellschaft, hat der Satiriker seither nicht wirklich verändert.

„Ein Humorist ist eine Art Röntgenapparat. Er entdeckt in jeder Situation den Humor, den andere nicht sehen.“

Seine Leser haben es ihm mit Treue gedankt, dass sie sich bei seinen Büchern herzhaft, aber nie unter Niveau unterhalten durften. Ein Genuss ohne Reue, wohl auch für „die Enkel meiner Henker, die in meinen Lesungen Schlange stehen“, wie Kishon mit Genugtuung bemerkte. Er hat damit vielleicht mehr zur Verständigung unter den Völkern beigetragen als manche ernstere Autoren.
„Kishon für Österreicher – und alle, die es gerne wären“ soll das Buch heißen, an dem er bis zu seinem Herztod in der Schweiz gearbeitet hat.

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