Paul Karalus, Versuch eines Portraits von Hugo Ernst Käufer, 2002, GrupelloPaul Karalus, Filmemacher, Erzähler und Poet.
von Hugo Ernst Käufer, Versuch eines Portraits,  Grupello-Verlag, 2002:

Über einen vor nicht allzulanger Zeit verstorbenen Freund zu schreiben, mit dem man im Auf und Ab der Zeiten länger als fünfzig Jahre verbunden war, mit dem man in der gemeinsamen Geburtsstadt Witten, knapp der Jugendzeit entwachsen, den literarischen Weg begann, das löst Bilder aus, ruft Erinnerungen wach, die sich einer strengen chronologischen Ordnung kaum unterwerfen wollen. Ich versuche, ein Porträt des Filmemachers, Erzählers und Poeten Paul Karalus zu entwerfen, der am 15. Juni 1928 in Annen geboren wurde und am 19. Juli 2000, kurz nach seinem 72. Geburtstag, in Kempen am Niederrhein gestorben ist, hier beerdigt am 22. Juli 2000 auf dem St. Josephsfriedhof, wo ich ihm die Grabrede halten durfte. Ich erinnere mich genau: Vor vielen Jahren, als wir noch ganz jung waren, den Weg der Zweifel und Hoffnungen, der Erfolge und Niederlagen noch vor uns hatten, haben Paul Karalus und ich auf einer Bank des Friedhofs in Annen, oft uns die ersten Gedichte gegenseitig vorlesend, in einem freundschaftlichen Diskurs, nicht ohne jugendlichen Überschwang, darüber gesprochen, wer wem, wenn es einmal so weit sein sollte, die Abschiedsworte sagen würde.

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ES BEGANN 1952 MIT »POEMES«

Paul Karalus und ich fingen an mit »Trümmerliteratur«. Auf Hilfe und Förderung von außen war vor fünfzig Jahren nicht zu rechnen. Schriftstellergruppen mußten erst wieder aufgebaut werden. Heute existiert ein differenziertes Verlagswesen, das jungen Talenten Chancen bietet. Staatliche, städtische und private Institutionen gewähren finanzielle Hilfe. Reisestipendien ermöglichen die Bekanntschaft mit dem Ausland.

Das Papier für unsere erste gemeinsame Publikation »Poemes« schenkte uns 1952 die Buchhändlerin Käthe Gischler. Sie lud uns zu literarischen Diskussionen in die Buchhandlung Krüger an der Bahnhofstraße ein. Sie nahm sich Zeit für uns junge Autoren, zu einem literarischen Gespräch war sie immer bereit, ja sie ermunterte uns dazu in ihrer freundlichen Art. 1951 zeigte sie uns den Gedichtband »Mohn und Gedächtnis« von Paul Celan, einem Lyriker, der zu dieser Zeit noch völlig unbekannt war, aber bereits etwas später mit seinen Gedichten, vor allem mit seiner »Todesfuge « internationale Beachtung fand. In dieser »Todesfuge« wurde der Verfolgung und Ermordung der Juden in der Nazizeit ein auch heute noch erschütterndes literarisches Denkmal gesetzt – »der Tod ist ein Meister aus Deutschland«. In einer Zeit, in der schon wieder die Rede davon ist, »ein paar reiche Juden zu erschlagen«, in der den Juden unterstellt wird, daß sie sich immer dann melden würden, wenn »irgendwo in Deutschland die Kassen klingeln«, in einer Gegenwart, in der schon wieder Synagogen geschändet und ausländische Mitbürger durch die Straßen gehetzt werden.

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Rezension I Buchbestellung 1208 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © H.E.K./Grupello