Ein zäher Mehrkämpfer
Giorgio Hupfer ist in vielen Kunst-Disziplinen daheim
Von Birgit Ruf aus den Nürnberger Nachrichten vom 17.11.2006:

Wer ihn nach seinem Beruf fragt, erhält eine schlichte Antwort: Künstler. Und welche Art von Künstler? Da wird es im Falle von Giorgio Hupfer schon schwierig. Denn der 48-Jährige lässt sich in keine Schublade stecken, ist Maler und Dichter, Musiker, Fotograf und Buchkünstler in einem — man könnte auch sagen, ein lebendes Gesamtkunstwerk.

Auf wiedererkennbare Markenzeichen hat er in seiner 25-jährigen Laufbahn als freischaffender Künstler in Nürnberg immer verzichtet, auf Moden im Kulturzirkus hat sich der passionierte Hut-Träger nie gestürzt. Was für seine Popularität nicht unbedingt förderlich war. „Ich habe nie etwas gemacht, um damit schnellen Erfolg zu haben“.

Mit seiner Außenseiterrolle im Kulturbetrieb hatte er sich abgefunden — bis im vergangenen Jahr sein Künstlerbuch mit dem Titel „Rauch und Sand“ im Nürnberger Verlag für moderne Kunst herauskam. Ohne diesen Band, an dem er mehrere Monate gearbeitet hat, so ist er überzeugt, hätte er auch den Förderpreis der Stadt Nürnberg in diesem Jahr nicht bekommen.

Als freischaffender Künstler feiert Giorgio Hupfer, der an der Nürnberger Akademie studiert hat, in diesem Jahr ein rundes „Betriebsjubiläum“: „1981 habe ich mein erstes Bild über 1000 Mark verkauft, für einen Auftritt als Musiker erstmals über 250 Mark bekommen und entschieden: Jetzt bin ich Profi“. 1999 eröffnete er in Nürnberg seine „Kunsthandlung“ — Atelier und Ausstellungsraum in einem.

Religiöse Bezüge

Wie in der Wahl seiner Mittel lässt sich auch Hupfers Themenspektrum nicht auf einen griffigen Nenner bringen. Er will „das Archaische anzapfen“, Ur-Themen der Menschheit. Religiöse Bezüge tauchen immer wieder auf, es gibt eine Bilderserie zur deutschen Nazi-Vergangenheit, es geht — mal ernsthaft, mal (selbst)ironisch und humorvoll — um die Wahrnehmung der Kunst, des Alltags, der eigenen Person.

Leicht zu entschlüsseln ist das nicht, trägt aber einen ganz eigenen, geheimnisvoll-melancholischen Ton — und ist doch von beliebigen Stimmungsbildern weit entfernt.

Hupfer ist kein Schnell-Arbeiter, er lässt die Dinge reifen, bis sie in seinen Augen die gewünschte Qualität haben. Der einstige Meisterschüler von Georg Karl Pfahler hütet sich davor, dem Hörer, Leser, Betrachter einen die Fantasie einengenden Leitfaden zur Interpretation seiner Werke an die Hand zu geben. „Wenn Sie Spuren in Bildern und auf Feldern lesen können, werden Sie meine Gedankengänge erahnen“, heißt es in einem seiner Gedichte.

Je nachdem, wann man Hupfer nach seiner Tätigkeit fragt, kann das Multitalent aber doch mit Überzeugung sagen, er sei Maler, Musiker oder Dichter. Denn er vermischt die Disziplinen niemals, arbeitet phasenweise nur mit Worten, mit Klängen oder Farben. Bislang jedenfalls.

Ganz neu sind jetzt Überlegungen für ein „Entertainment-Programm“, in dem er die verschiedenen Bereiche zusammenführt, dabei singt, liest, rezitiert und Projektionen seiner Bilder an die Bühnenwand wirft. Einen kleinen Vorgeschmack darauf will er bei der Preisverleihung in der Tafelhalle geben.

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