Die Grabstätte von Richard Hülsenbeck auf dem Dortmunder Südwestfriedhof, Foto:LYRIKwelt (hf0814)"Hülsenherzen" und Russisch Brot
am Grab des "Ober-Dada aus Dortmund"

Von Rainer Wanzelius in Westfälische Rundschau, 18.05.1991:

Andere Trauergäste staunten.
"Wat war dat denn?" fragte die junge Frau am Ausgang des Südwest-Friedhofs.
"Dat war' ne Hochzeit" antwortete ihr Begleiter.
"Wie, Hochzeit? War dat denn keine Beerdigung?"
"Ach wat! Beerdigung mit Trompete? Dat gibt's doch nicht!"

Nein, eine Beerdigung war das nicht, und mit der Wahl der Instrumente lagen die Leute auch nicht richtig. Denn statt mit Pauken und Trompeten waren rund 50 der Literatur verbundene Menschen gestern mittag einer Baßklarinette und einer Trichterflöte Marke Eigenbau folgend die Friedhofsallee entlanggezogen, um ihren 1974 verstorbenen Dichter-Kollegen Richard Hülsenbeck, diesen "Ober-Dada aus Dortmund", der drohenden Vergessenheit zu entreißen.

Das Grab des in Dortmund aufgewachsenen "Dada-Fürsten", der im legendären "Cabarett Voltaire" in Zürich verkehrte und dessen Werk Weltruhm erlangte, fordern nun die literarischen Erben zu recht, müsse erhalten bleiben. Und Grabredner Josef Reding erinnerte daran, daß es in den USA, wohin der Lautdichter emigriert war, gleich zwei Hülsenbeck-Gesellschaften gebe, hier aber keine.

"Lieber Richard Hülsenbeck, wir gratulieren dir", so begann Kollege Jürgen Wiersch eine Lesung. Und: "Wir vermachen dir unsere Hülsenherz."

Dann folgten Texte des Verstorbenen, der am 23. April 99 Jahre alt geworden wäre: "Auf Telegrafenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach."

Das Grabgesteck mit Russisch-Brot-Buchstaben, dann stimmten alle vielstimmig

 

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