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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Der Blick der Tochter auf die geheimnisvolle Mutter.
Kaffeekränzchen-Plauderei ohne Tiefgang: Die jüdische Schriftstellerin Barbara
Honigmann im Gespräch
Von bin aus
den Nürnberger Nachrichten
vom 29.08.2005:
Frau, Ex-DDRlerin, Jüdin. Die Schubladen, in die Barbara Honigmann immer wieder
gern gesteckt wird, zählt Moderatorin Maike Albath gleich zum Beginn des
Autorenporträts im Markgrafensaal auf. Das lässt darauf hoffen, dass man etwas
mehr erfährt über die 56-jährige Autorin. Deren jüdische Eltern waren 1947
aus dem englischen Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrt. Diese Rückkehr in die
DDR hat die Tochter auch im Nachhinein „nie begriffen“.
Doch Maike Albath kommt mit ihrem Gegenüber über die Kaffeekränzchen-Plauderei
kaum hinaus. Lieber lässt sie Honigmann über ihre Mutter, die zweifellos
schillernde und geheimnisvolle Lizzy Honigmann, erzählen, was sich bei den
eingestreuten Lesungen aus „Ein Kapitel aus meinem Leben“, der jüngsten Erzählung
der seit langem in Straßburg lebenden Schriftstellerin, wiederholt.
Lizzy Honigmann, so stellt sich heraus, war in einem ihrer früheren Leben mit
dem britischen Meisterspion und Doppelagenten Kim Philby verheiratet. Doch diese
Polit-Geschichte interessiert die Tochter gar nicht so sehr. Auch als Aussöhnung,
sagt Barbara Honigmann, sei das Porträt der Mutter nicht angelegt, vielmehr kam
ihr der Mikrokosmos, die abgeschlossene Welt der Reimigranten, die Enklave
inmitten der DDR „beschreibenswert“ vor.
Über die Autorin selbst erfahren die Zuhörer indes nicht viel Neues. Dabei hätte
ihr Redefluss nur kanaliert werden müssen. 1988 verließ sie die DDR, „Bloß
weg!“ hat sie nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns gedacht. Der
Affirmations-Druck, der vom „System“ ausging, war irgendwann nicht mehr erträglich.
In Straßburg — nicht mehr in Deutschland, aber auch nicht zu weit davon
entfernt — hat sie sich in einer jüdischen Gemeinde niedergelassen. Über die
DDR-Verklärung durch Filme wie „Sonnenallee“ oder „Goodbye Lenin“ kann
sich Honigmann nur heftig empören: „Das ist ein Skandal“, sagt sie und ärgert
sich über die „Zuckerwatte“, mit der die Vergangenheit verpackt wird. Im
selben Atemzug erklärt sie sich für in der Angelegenheit als „nicht zuständig“.
Maike Albath akzeptiert das widerspruchslos. Nachgehakt wird nicht. So bleiben
viele möglicherweise interessante Antworten aus, dafür werden Fragen gestellt,
die sich nicht stellen. Zum Beispiel, ob die Autorin irgendwann einmal darüber
nachdachte, auf Französisch zu schreiben.
Wer Barbara Honigmann bereits ein bisschen kannte, hat nicht viel dazugelernt.
Schade.
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