Barbara Honigmann, 1999, Foto: Ekko von Schwichow

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Der Blick der Tochter auf die geheimnisvolle Mutter.
Kaffeekränzchen-Plauderei ohne Tiefgang: Die jüdische Schriftstellerin Barbara Honigmann im Gespräch
Von bin aus den Nürnberger Nachrichten vom 29.08.2005:

Frau, Ex-DDRlerin, Jüdin. Die Schubladen, in die Barbara Honigmann immer wieder gern gesteckt wird, zählt Moderatorin Maike Albath gleich zum Beginn des Autorenporträts im Markgrafensaal auf. Das lässt darauf hoffen, dass man etwas mehr erfährt über die 56-jährige Autorin. Deren jüdische Eltern waren 1947 aus dem englischen Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrt. Diese Rückkehr in die DDR hat die Tochter auch im Nachhinein „nie begriffen“.

Doch Maike Albath kommt mit ihrem Gegenüber über die Kaffeekränzchen-Plauderei kaum hinaus. Lieber lässt sie Honigmann über ihre Mutter, die zweifellos schillernde und geheimnisvolle Lizzy Honigmann, erzählen, was sich bei den eingestreuten Lesungen aus „Ein Kapitel aus meinem Leben“, der jüngsten Erzählung der seit langem in Straßburg lebenden Schriftstellerin, wiederholt.

Lizzy Honigmann, so stellt sich heraus, war in einem ihrer früheren Leben mit dem britischen Meisterspion und Doppelagenten Kim Philby verheiratet. Doch diese Polit-Geschichte interessiert die Tochter gar nicht so sehr. Auch als Aussöhnung, sagt Barbara Honigmann, sei das Porträt der Mutter nicht angelegt, vielmehr kam ihr der Mikrokosmos, die abgeschlossene Welt der Reimigranten, die Enklave inmitten der DDR „beschreibenswert“ vor.

Über die Autorin selbst erfahren die Zuhörer indes nicht viel Neues. Dabei hätte ihr Redefluss nur kanaliert werden müssen. 1988 verließ sie die DDR, „Bloß weg!“ hat sie nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns gedacht. Der Affirmations-Druck, der vom „System“ ausging, war irgendwann nicht mehr erträglich. In Straßburg — nicht mehr in Deutschland, aber auch nicht zu weit davon entfernt — hat sie sich in einer jüdischen Gemeinde niedergelassen. Über die DDR-Verklärung durch Filme wie „Sonnenallee“ oder „Goodbye Lenin“ kann sich Honigmann nur heftig empören: „Das ist ein Skandal“, sagt sie und ärgert sich über die „Zuckerwatte“, mit der die Vergangenheit verpackt wird. Im selben Atemzug erklärt sie sich für in der Angelegenheit als „nicht zuständig“.

Maike Albath akzeptiert das widerspruchslos. Nachgehakt wird nicht. So bleiben viele möglicherweise interessante Antworten aus, dafür werden Fragen gestellt, die sich nicht stellen. Zum Beispiel, ob die Autorin irgendwann einmal darüber nachdachte, auf Französisch zu schreiben.

Wer Barbara Honigmann bereits ein bisschen kannte, hat nicht viel dazugelernt. Schade.

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