„Ich
bin ein Erfahrungsmensch“
Schriftsteller Peter Høeg
über seinen neuen Roman, die Neugier Heranwachsender und religiöse Gefühle
Von Andreas Puff-Trojan aus dem Münchner
Merkur, 5.09.2010:
Bestsellerautor Peter Høeg (Jahrgang 1957) legt sein neues Werk „Die Kinder der Elefantenhüter“ vor. Es ist ab heute im Handel. Neben Sprachwitz und Humor fällt in dem Roman noch auf: In ihm stehen eben jene Kinder schon an der Schwelle zum Erwachsensein. Peter ist 14 Jahre alt, seine Schwester Tilte ist zwei Jahre älter und deren gemeinsamer Bruder Hans studiert bereits Astrophysik.
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Ja, davon bin ich tief überzeugt. Ich habe viel mit Kindern zu tun - nicht nur mit meinen eigenen -, und ich sehe, wie gerade Jugendliche offen sind für diese Fragen. Doch die Erwachsenen - zumindest bei uns in Europa - gehen auf solche Themen nicht ein, weil sie sie verdrängen. Wenn Kinder, Jugendliche etwas wahrnehmen, das nicht mit der Erwachsenenwelt korrespondiert, dann sagt man: Da ist ja gar nichts! Das war eine Halluzination, vergiss es! Man lässt sie allein, anstatt die Kinder erzählen zu lassen, was sie da bewegt. Ich habe mich nie in Glaubenssystemen zurechtgefunden. Ich bin eben ein Erfahrungsmensch. Kinder und Jugendliche sind auch Erfahrungsmenschen, sie sind kleine Forscher. Deswegen fühle ich mich mit ihnen eng verbunden. Ich bin ein Kind, das sich als Erwachsener verkleidet hat.
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Da möchte ich eine biografische Antwort geben. Ich bin viel gereist und habe in ganz verschiedenen Kulturen gelebt. Das ist für mich ein ungeheurer Reichtum, und ich bin dankbar, diese ganz verschiedenen Religionen kennengelernt zu haben. Wahrscheinlich ist der Roman auch eine Art Liebeserklärung an die Vielfalt religiöser Vorstellungen.
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Rituale, Dogmen, kanonische Texte, kirchliche
Rangordnungen sind für mich die Außenseite der Religion, vor der ich persönlich
sehr viel Respekt habe, aber auf der ich niemals mein eigenes Leben hätte
aufbauen können. Dann gibt es die esoterische Seite. Hier geht es nicht um
Hierarchien und Glaubensregeln, sondern man versucht, sich den großen Fragen
anzunähern. Menschen, die diesen Weg gehen, sind mir ähnlich, denn sie sind wie
ich Erfahrungsmenschen. Leider bieten die christlichen Gemeinschaften,
insbesondere die evangelisch-
Und das wirklich Tragische ist, dass wir hier in Europa über keine spirituelle und mystische Tradition mehr verfügen, die all diesen Fragen eine erfahrungsmäßige Unterstützung bietet. Das ist ein echter Mangel!
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Das ist natürlich ironisch gemeint. Aber es gibt für diesen Satz schon auch konkrete Beispiele. Nehmen wir den islamischen Fastenmonat Ramadan. Fasten ist an sich ein gutes und wichtiges Instrument, um körperlich wie spirituell Erfahrungen zu sammeln. Der Ramadan aber erlaubt, dass man nach Sonnenuntergang isst. Das heißt, es sind hier sehr viele Sonderfälle eingebaut, die erlauben, das Fasten zu brechen. Das finde ich komisch. Geradezu tragisch ist dann das Liebesgebot Jesu. Wie oft, in wie vielen Religionskriegen und Streitigkeiten zwischen den Konfessionen ist dieses Gebot gebrochen worden! Man sieht, Religionen sind in ihrem Inneren alles andere als konsequent. Genau das habe ich mit diesem Satz sagen wollen.
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Ich habe eine große Hoffnung. Als ich dieses Buch schrieb, stellte ich mir vor, dass der Roman innerhalb einer Familie vorgelesen wird, in der drei verschiedene Generationen zuhören. Als Familienmensch und Vater weiß ich, dass unsere Kultur gerne Erlebnisse und Erfahrungen aufteilt. Es gibt eine Kultur für Kinder, eine für junge Menschen und eine für uns Erwachsene. Wenn ich mir das vorstelle, werde ich immer ein wenig traurig. Denn ich versuche, Situationen zu finden, die für die ganze Familie zum Erlebnis werden. Wenn mein neuer Roman zu einem solchen Familienereignis werden könnte, wäre ich komplett glücklich.
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Ja, genau das möchte ich sagen!
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