Rolf Hochhuth, 2012, Foto: Ekko von Schwichow

Rolf Hochhuth
Foto: Ekko von Schwichow

www.schwichow.de

Endlich ging der Hut hoch.
Kommentar von
Jens Dirksen in der NRZ vom 5.02.2005:

Über eine Woche lang hat Rolf Hochhuth nun dort gestanden, wo er am liebsten steht: In den Schlagzeilen. Dazu musste der verdienstvolle Autor des "Stellvertreters", der in den 60ern die Zuschauerrolle des Vatikan beim Völkermord der Nazis an den Juden aufs Tapet brachte, in den letzten Jahren freilich auch schon mal seine Eigentumsrechte am Gebäude des Berliner Ensembles bemühen. Dort darf er ja nun in den Theaterferien seine Stücke wie den "Stellvertreter" aufführen lassen, auf eigene Kosten. Und noch vor Monaten schickte Hochhuth ein ehrlich empörtes und gnadenlos holperndes Gedicht über Entlassungen und Managergehälter an alle Zeitungen - um sich im Falle des Nichtabdrucks über Zensur zu beschweren.

Streitgespräch mit Paul Spiegel

Und nun hat Hochhuth dem ultrarechten Blatt "Junge Freiheit" ein Interview gewährt, in dem er den britischen Holocaust-Leugner David Irving lobte und ihm bescheinigte, ein "fabelhafter Pionier der Zeitgeschichte" und "sehr viel seriöser" zu sein "als viele deutsche Historiker". Irving, dem das Oberste Gericht in London bescheinigte, ein "Antisemit und Rassist" zu sein, darf wegen seiner Propagandalügen seit 1993 nicht mehr nach Deutschland einreisen. Die Fraternisierung mit ihm müsste für einen Skandal schon reichen. Da die "Junge Freiheit" aber nur über einen begrenzten Leserkreis verfügt, musste Hochhuth seine Interview-Aussagen erst noch dem Berliner "Tagesspiegel" bekräftigen, bevor endlich jemandem der Hut hochging und auch der Zentralratsvorsitzende der Juden Paul Spiegel den Unsinn pflichtgemäß verurteilte.

Immerhin, ein Gutes hat die Sache: Spiegel und Hochhuth, der sich, tschuldigung, für seine Äußerung entschuldigt hat, wollen sich nun am 24. April in einer Wuppertaler Kirche zum öffentlichen Streitgespräch treffen. Die Feierstunde zum 60. Jahrestag der Befreiung von den Nazis, zu der Hochhuth dort ohnehin sprechen sollte, wird damit alles andere werden als reine Gedenkroutine.

[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]

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