Hohenlimburger Platt: Ida Hesse
Von
Kirsten Niesler im
Heimatbuch Hagen und Mark, 1989:
Zeit zum Schreiben fand Ida Hesse aus der Hohenlimburger Firma Hesse & Co. selten, war sie doch aktiv in Firma und Gemeinde tätig. Sie lebte von 1890 bis 1972 und widmete sich in ihrer karg bemessenen Freizeit neben der Evangelischen Frauenhilfe und der politischen Arbeit als CDU-Mitglied der Pflege des geliebten heimatlichen "Platt". Seit 1958 gehörte Ida Hesse dem Stadtparlament an, lange Zeit als Alterspräsidentin.
Aufgewachsen in Obernahmer, hatte sie 1913 den Fabrikanten Fritz Hesse geheiratet, der drei Jahre zuvor die Firma Hesse & Co. gegründet hatte. Durch den Besuch der Handelsschule und ihre Büropraxis konnte Ida Hesse ihrem Ehemann eine wertvolle Hilfe in der Firma sein.
Ida Hesse ist Verfasserin einer Vielzahl von "Vertellkes" und des Buches "Rund üm dat Joahr". Diesem Buch, das sie 1965 in Dortmund für ihre Kinder und Enkelkinder veröffentlichte, ist das folgende Gedicht entnommen. Es ist ein Beispiel des hintergründigen, urwüchsigen Humors der Hohenlimburgerin, die als Ehrenmitglied dem Verein für Ortsund Heimatkunde Hohenlimburg e. V. angehörte und so Anerkennung fand für ihre Bemühungen um die plattdeutsche Sprache.
April, April, eck
wäit et genau,
Du büs at so 'ne verwüehnte Frau.
Äinmoal, dann schient de Sunne sou
wahm,
Me niehmt dän Mantel üöwern Ahm,
Un gäiht spazäiern so hurtig un fien,
Un denket, et könn jo Juli sienl - -
Oawe dann kömmt ne schwatte Wolke
heran,
Me tüht dän Mantel schnao wier an!
Dä koalle Wind, dä blöset iähm üm,
me dencket, me wör wier üm Chrisdag
rüm!
April eck glöiwe, du büs nit klauk,
Eck maut mi kriegen mien wüllen Dank!
In'ne Stunne, segge'k noch nit,
At me van Wiärmde boalle en Hitzschlag
kritt!
April, April, eck wäit et nu genau:
"Du büst at so ne verwüehnte Frau!" - -
Sicher gab und gibt es in Hagen und Umgebung noch viele Frauen, die sich nicht nur mit dem Zubereiten westfälischer Gerichte begnügten, sondern ihre Freizeit der Muse der Dichtkunst weihten. Schade wäre es, wenn alle diese Zeugnisse westfälischer Heimatkunst endgültig in Vergessenheit gerieten. Walter K. B. Holz, Leiter des Literaturarchivs Hagen, wäre deshalb dankbar, wenn solche und ähnliche verborgene Schätze ihren Weg in das Archiv finden könnten. Der Archivar sucht zur Zeit nach dem dichterischen Nachlaß von Frieda Jacke und Else Spelsberg, doch bittet er darüber hinaus jeden, der von der geheimen Dichtkunst einer Vorfahrin Kenntnis hat, diese Werke in das Archiv zu bringen, statt sie auf den Scheiterhaufen zu werfen.
Quelle: Ida Hesse: Rund üm dat Joahr, Füör meine Kinner un Enkelkinner, Dortmund 1965
Literatur: Heimatblätter für Hohenlimburg und Umgebung,33.Jahrgang, Heft Nr.2,
März 1972
Leseprobe I Buchbestellung 0711 LYRIKwelt © Kirsten Niesler