Prinz Henrik: Der Missverstandene
Prinz Henrik von Dänemark wird am Donnerstag 75. Am Tag vor seinem 33. Geburtstag hatte er 1967 die damalige Kronprinzessin geheiratet. Für die Dänen ist der Ehemann von Königin Margrethe bis heute ein fremder Kauz.
Von Hannes Gamillscheg in Die Presse vom 10.6.2009:

So viel steht fest: Es ist als Fremder nicht leicht, den Dänen zu gefallen, vor allem wenn man sich weigert, dänischer zu werden als sie selbst. Davon kann Prinz Henrik, der aus Frankreich stammende Gatte von Königin Margrethe, ein Lied singen.

Wenn er am Donnerstag 75 wird, hat er weit mehr als sein halbes Leben in Dänemark verbracht – am Tag vor seinem 33. Geburtstag hatte er 1967 die damalige Kronprinzessin geheiratet. Ihr und seinem Status als Prinzgemahl zuliebe hat er damals seine Staatsbürgerschaft aufgegeben, seine Religion – der Katholik musste zur lutherischen Volkskirche konvertieren –, hat selbst seinem französischen Henri ein dänisches „k“ angehängt. Und doch ist er für die Dänen ein fremder Kauz geblieben, über den man gern spottet, statt ihn anzunehmen mit seinen Stärken und Schwächen.

Die Beziehung zwischen den Dänen und ihrem Prinz Henrik ist eine Fortsetzungsgeschichte gegenseitiger Missverständnisse, dabei hat sie so gut angefangen. Ein ganzes Volk war auf den Beinen, um die Hochzeit zwischen der so sichtbar glücklichen Kronprinzessin und ihrem feschen Grafen mitzuerleben. Henri, Comte de Monpezat, war Diplomat in London, Margrethe studierte dort Archäologie. Ein Jahr später waren sie ein Paar. Bald hatten sie zwei Söhne, und als König Frederik 1972 starb, bestieg seine Tochter den Thron.

Prinz Henrik stand ihr zur Seite, doch im Protokoll einen Schritt hinter ihr. Er hatte gewusst, worauf er sich einließ. Dennoch fiel dem selbstbewussten Franzosen die neue Rolle schwer. Dass ihn Margrethe daheim auf Schloss Amalienborg den „Herrn des Hauses“ spielen ließ, war kein echter Ersatz.

Doch als er über seine Frustrationen zu klagen begann, verscherzte er es sich mit seinem neuen Volk. Obwohl er ein Dasein in Saus und Braus genießen konnte, meckerte er, dass er vom „Taschengeld“ seiner Frau leben musste, bis ihm das Parlament eine eigenständige Apanage zugestand. Er beklagte, dass er sich mit dem Prinzentitel begnügen muss, wo sich doch die Frau eines Königs als Königin titulieren darf. Aber für einen „König Henrik“ gibt es in Dänemark keine Zustimmung, auch jetzt nicht, da im Thronfolgegesetz die Gleichberechtigung durchgesetzt wurde.

Als ihm im Protokoll dann auch noch der eigene Sohn, Kronprinz Frederik, vor die Nase gesetzt wurde, hatte Henrik genug und zog sich für längere Zeit auf seine Weinberge im französischen Cahors zurück, was die Gerüchte über eine zerrüttete Ehe blühen ließ. Inzwischen ist er in den Schoß der Familie zurückgekehrt.

Doch das Gefühl, missverstanden und unterschätzt zu werden, ist geblieben. Henrik spricht ein reiches, blühendes Dänisch. Die Dänen mokieren sich über seinen starken Akzent. Er fertigt Skulpturen an und schreibt Gedichte in seiner Muttersprache, erotische Oden an seine Frau und zärtliche Hymnen an seinen Dackel. Doch während die Amateurmalereien der Königin auf Beifall ihrer Untertanen stoßen, bleibt seinen künstlerischen Ergüssen die Anerkennung versagt. Seine Vorlieben für Jagd und Segelregatten sind nichts, was ihn populär machen würde. Er interessiert sich für Politik – die französische. Die dänische ist ihm egal. Bei einem Bankett tippte ein Lakai die Justizministerin an die Schulter: Prinz Henrik wolle sie gerne sprechen. Wenig später kehrte sie verwirrt an ihren Platz zurück. Er hatte geglaubt, sie sei die Frau des deutschen Botschafters.

Er hätte gerne, dass Margrethe abdankt, sagte er zum 40. Hochzeitstag vor zwei Jahren: damit die beiden noch ein paar Jahre für sich selbst hätten. Doch ein vorzeitiger Rücktritt ist für die ehrgeizige und pflichtbewusste Königin undenkbar.

Sein Gefühl über das Leben am Königsschloss hat der Jubilar in einem Dreizeiler beschrieben: „Beengender Palast. Tausend Türen. So wenig Platz.“ (Das französische Original lautet: „Etroit palace. Mille portes. Si peu d'espace.“) Es gilt auch seiner zweiten Heimat.

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