Alice Schwarzer und die Männer-Redaktion von 1988. Rechts WAZ-Redakteur Hermann Henkel, Foto: J. H. DarchingerDie Glorreichen Sieben
Nach vier Tagen EMMA ein ganz persönliches Resümee
Von Hermann Henkel in EMMA Nr. 7/1988:

Wie lesbisch ist EMMA wirklich? Ehrlich gesagt, ich habe es in den vier Tagen meines durchaus angenehmen Gastspiels nicht herausgefunden. Nichts ist dran an dem Image vom männermordenden Tick jener Frauen, die den wichtigsten aller kleinen Unterschiede dieser Welt ignorieren. Sie sind auch nicht die „Schwanzabschwestern“, für die sie zumindest der Großteil der männlichen Nation hält. Die Emmas – Alice, Susanne, Cornelia und Judith – passen so gar nicht in die Schublade männlich-chauvinistischer Schablonenvorstellung. Ihnen fehlt nichts von dem wohl in allen Redaktionen sattsam bekannten und geschätzten kumpelig-kollegialen Verhalten weiblicher Raffinesse. Zugegeben: Auf der Fahrt in die Kölner Emanzen-Redaktion kamen plötzlich Zweifel, leichte Berührungsängste und Beklemmung. Ein völlig unbegründeter Zustand, denn die Frauen von der Feministinnenfront ließen die Männer wursteln und verkrochen sich in ihre Stuben.

Die Frage war vielmehr, wie kommen sieben gestandene Mannsbilder unter einen Hut? Schwerlich, männlich kompliziert. Sollte eigentlich MANN denen das Geschäft besorgen, die nur darauf aus sind, patriarchalische Errungenschaften zu kappen? Was ist es denn, Mut, Masochismus oder was sonst, wenn MANN bei EMMA mitmacht? Was mich angeht, so war es reine Neugier, ein Abenteuer mit erheblichem Reiz, keine reine Freude, aber ein Erlebnis mit Gewinn. Meine gefestigten Vorurteile gerieten ein wenig ins Wanken, aber ohne grundlegende Veränderungen.

Nach meinem Auftritt bei den Emmas aber passiert mir das nicht mehr: Früher verdrängte ich schon mal Gedanken an die ganz sicher vorhandene Gewalt durch Sprache, und an die Vorkämpferinnen Alice Schwarzer und Senta Trömel-Plötz. Verballhornungen wie Trümmel-Plüntz haben keinen Platz mehr in meinem Hirn, in das in diesen Tagen ein bisschen mehr feministisches Denken eingezogen ist, Verändert hat sich in den Tagen bei EMMA ansonsten nichts. Ich bleibe was ich bin: ein Mann.

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