«Schreiben ist Abenteuer, Risiko und Freiheit»
Mit einer skurrilen Geschichte gewann
Christina Judith Hein den Literaturpreis
der Nürnberger Kulturläden
Besprechung von Susanne Ziegler in den Nürnberger
Nachrichten vom 3.07.2007:
Christina Judith Heins herrlich
skurrile Geschichte um einen präsidialen Überraschungsbesuch, Liebe und andere
Katastrophen machte in diesem Jahr das Rennen beim Literaturpreis der Nürnberger
Kulturläden (wir berichteten). Mit «Horst 02» setzte sich die in Erlangen
lebende gebürtige Würzburgerin im Feld durch und erhielt den mit 500 Euro
dotierten 1. Preis.
Den Bundespräsidenten höchstpersönlich bei sich zu Hause vorzufinden ist ja
schon eine Sache für sich. Wenn man zudem den ganzen Arbeitstag mit
Traktorfahren zugebracht hat und außerdem vom verheirateten Geliebten ein Kind
erwartet, hat einem Horst Köhler gerade noch gefehlt. Doch die Protagonistin in
Christina Judith Heins Kurzgeschichte schlägt sich trotz aller Widrigkeiten
wacker – und teilt nach anfänglicher Skepsis nicht nur leckeren gefüllten
Schweinedarm, sondern auch ein Stück Alltag mit «ihrem Präsidenten».
Irritierende Momente
Fantastische und «reale» Motive verschwimmen in Heins Text zu einem packenden
und hintergründig witzigen Gesamtkunstwerk. Schließlich legt die studierte
Amerikanistin, die gerade an ihrer Dissertation arbeitet, besonderen Wert auf
Facettenreichtum und irritierende Lesemomente. Während eines Studienaufenthalts
in Kansas belegte Hein einen Kurs im kreativen Schreiben – und bekam in den
Diskussionen mit ihren Kommilitonen zahlreiche Anregungen für ihre literarische
Arbeit in die Hand.
Schreiben bedeutet für die 29-Jährige vor allem eines: Risiken eingehen. «Ich
finde es spannend, die klassische gerade Story zu verlassen und unpopuläre
Positionen einzunehmen», so Hein, «dazu können ungewöhnliche Brüche gehören
oder auch, dass sich der Leser einfach zwei Seiten langweilt». Inspirieren lässt
sich die passionierte Gärtnerin von den einfachen Dingen: von Personen auf der
Straße, Büchern, Filmen. «Ich brauche viel Leben, um eine Geschichte zu erzählen»,
sagt Hein. «Horst 02» schrieb sie während eines Aufenthalts in Portugal.
Der Preis der Kulturläden hat Hein in ihrem Wunsch zu Schreiben bestärkt. Nach
der Dissertation möchte sie sich Zeit für die Schriftstellerei nehmen und «sehen,
wie weit mich das Schreiben trägt». Die erste öffentliche Lesung in der Villa
Leon hat die Nachwuchsschriftstellerin schon mal in vollen Zügen genossen. «Ich
bin halt eine Rampensau», gibt Hein, die lange in ihrer Freizeit Theater
gespielt hat, lachend zu.
«Schreiben ist ein Abenteuer, Freiheit und das Ausprobieren neuer Welten»,
sagt Hein. Ein erster Schritt dieses wagemutigen Weges in die Schriftstellerei
ist getan – man darf auf weitere Projekte gespannt sein.
Die vollständige Besprechung von Susanne Ziegler mit Abb. finden Sie in den Nürnberger Nachrichten.
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