Elke Heidenreich, 2007, Foto: Hans Weingartz, http://www.Hans-Weingartz.de

Elke Heidenreich
Quelle: Hans Weingartz
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Liebesbrief an Schubert
Saisonauftakt der Staatsoper: Elke Heidenreich im Gespräch
Das Gespräch führte Markus Thiel aus dem Münchner Merkur, 16.9.2006:

Noch wird auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters eifrig gearbeitet und renoviert. Zum Saisonstart ziehen die Akademiekonzerte daher um ins Prinzregententheater (19., 20., 21. September), der eigentliche Opernbetrieb wird erst Ende Oktober aufgenommen. Zugleich markieren die drei Abende den Auftakt einer neuen Ära: Kent Nagano übernimmt die künstlerische Leitung des Hauses.

Für sein erstes „Chefprogramm“ hat er sich, typisch Nagano, Ungewöhnliches einfallen lassen: Mahlers vierte Symphonie (Solistin: Michaela Kaune) wird gekoppelt mit Schuberts Schauspielmusik zu „Rosamunde“ – ein krauses Drama um eine Fürstin von Zypern, die von einem Widersacher ins Gefängnis gebracht wird und zwei Mordanschläge übersteht. Sprecherin ist eine „Staatsopern-Debütantin“: Elke Heidenreich.

Wie kam Kent Nagano gerade auf Sie?
Elke Heidenreich: Sein Dramaturg Dieter Rexrodt fragte mich, ob ich Lust hätte, einen Text zu „Rosamunde“ zu verfassen. Ich habe lange nachgedacht, und mir ist lange nichts eingefallen. Da kam ich auf die Idee: Ich könnte doch einen Brief an Schubert schreiben.

Einen Liebesbrief?
Heidenreich: So kann man es auch sehen. Schubert ist meine große Liebe. Seinetwegen habe ich mit dem Klavierspiel angefangen. Er geistert unaufhörlich durch mein Leben, dieser unglückliche, einsame Mann. Es ist aber eher ein Brief über die Liebe zu Schubert.

Und ums eigentliche Stück, um „Rosamunde“, geht’s dabei gar nicht?
Heidenreich: Nee. Die Geschichte ist ja unerträglich, das Libretto ziemlich unsäglich. Die Musik dagegen hat eine großartige Qualität – und erzählt auch ihre eigene Geschichte. Text und Musik können schließlich auch auf ganz andere Weise ineinanderwachsen. Anfangs war nur nicht klar, ob ich meinen Text auch vortrage. Darum wollte ich dann allerdings schon gebeten haben.

Pessimisten fürchten, dass es mit dem Konzertleben den Bach hinunter geht. Können Fernsehpromis auf dem Podium da gegensteuern?
Heidenreich: Ich habe ja so was schon öfter gemacht. Mit Prokofjews „Cinderella“ und der Basel Sinfonietta bin ich zum Beispiel herumgetourt. Das Konzertleben muss sich eher bedroht fühlen als die Oper. Harald Schmidt hat in Köln schon einen Abend moderiert. Mit Loriot gab es herrliche Konzerte. Und vielleicht kann ich ja auch dazu beitragen, dass die Leute angelockt werden. Außerdem habe ich mich schon mal an einem Libretto für eine kleine Oper versucht. „Gala Gala“ über Dalìs Muse, die Uraufführung war in Köln. Und jetzt setze ich mich ans Textbuch für eine große Oper.

Über wen oder was?
Heidenreich: Ich sag’ nichts.

Spielen Sie eigentlich immer noch Klavier?
Heidenreich: Na klar, mit Heiner Geißler vierhändig. Ich könnte alle Bücher lassen, wenn mir nur am Ende die Musik bliebe. Wie beim Essen und Trinken: Aufs Essen könnte ich sofort verzichten.

Was für ein Mensch war Schubert?
Heidenreich: Ein kleiner, am Leben leidender Mensch ohne Erfolg und ohne Mädchen. Und all das spiegelt sich in seiner Musik wider. Eine trotz ihrer Raffinesse sehr einfache Musik. Wunderbar. Die Melancholischen, Einfachen, Kleinen sind mir ohnehin am liebsten.

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