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Quelle: Hans Weingartz |
Liebesbrief an Schubert
Saisonauftakt der Staatsoper: Elke
Heidenreich im Gespräch
Das Gespräch führte Markus
Thiel aus dem Münchner
Merkur, 16.9.2006:
Noch wird auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters eifrig gearbeitet und renoviert. Zum Saisonstart ziehen die Akademiekonzerte daher um ins Prinzregententheater (19., 20., 21. September), der eigentliche Opernbetrieb wird erst Ende Oktober aufgenommen. Zugleich markieren die drei Abende den Auftakt einer neuen Ära: Kent Nagano übernimmt die künstlerische Leitung des Hauses.
Für sein erstes „Chefprogramm“ hat er sich, typisch Nagano, Ungewöhnliches einfallen lassen: Mahlers vierte Symphonie (Solistin: Michaela Kaune) wird gekoppelt mit Schuberts Schauspielmusik zu „Rosamunde“ – ein krauses Drama um eine Fürstin von Zypern, die von einem Widersacher ins Gefängnis gebracht wird und zwei Mordanschläge übersteht. Sprecherin ist eine „Staatsopern-Debütantin“: Elke Heidenreich.
Wie kam Kent Nagano gerade auf Sie?
Elke Heidenreich: Sein Dramaturg Dieter Rexrodt fragte
mich, ob ich Lust hätte, einen Text zu „Rosamunde“ zu verfassen. Ich habe
lange nachgedacht, und mir ist lange nichts eingefallen. Da kam ich auf die
Idee: Ich könnte doch einen Brief an Schubert schreiben.
Einen Liebesbrief?
Heidenreich: So kann man es auch sehen. Schubert ist meine
große Liebe. Seinetwegen habe ich mit dem Klavierspiel angefangen. Er geistert
unaufhörlich durch mein Leben, dieser unglückliche, einsame Mann. Es ist aber
eher ein Brief über die Liebe zu Schubert.
Und ums eigentliche Stück, um
„Rosamunde“, geht’s dabei gar nicht?
Heidenreich: Nee. Die Geschichte ist ja unerträglich, das
Libretto ziemlich unsäglich. Die Musik dagegen hat eine großartige Qualität
– und erzählt auch ihre eigene Geschichte. Text und Musik können
schließlich auch auf ganz andere Weise ineinanderwachsen. Anfangs war nur nicht
klar, ob ich meinen Text auch vortrage. Darum wollte ich dann allerdings schon
gebeten haben.
Pessimisten fürchten, dass es mit dem
Konzertleben den Bach hinunter geht. Können Fernsehpromis auf dem Podium da
gegensteuern?
Heidenreich: Ich habe ja so was schon öfter gemacht. Mit
Prokofjews „Cinderella“ und der Basel Sinfonietta bin ich zum Beispiel
herumgetourt. Das Konzertleben muss sich eher bedroht fühlen als die Oper.
Harald Schmidt hat in Köln schon einen Abend moderiert. Mit
Loriot gab es
herrliche Konzerte. Und vielleicht kann ich ja auch dazu beitragen, dass die
Leute angelockt werden. Außerdem habe ich mich schon mal an einem Libretto für
eine kleine Oper versucht. „Gala Gala“ über Dalìs Muse, die Uraufführung
war in Köln. Und jetzt setze ich mich ans Textbuch für eine große Oper.
Über wen oder was?
Heidenreich: Ich sag’ nichts.
Spielen Sie eigentlich immer noch Klavier?
Heidenreich: Na klar, mit Heiner Geißler vierhändig. Ich
könnte alle Bücher lassen, wenn mir nur am Ende die Musik bliebe. Wie beim
Essen und Trinken: Aufs Essen könnte ich sofort verzichten.
Was für ein Mensch war Schubert?
Heidenreich: Ein kleiner, am Leben leidender Mensch ohne
Erfolg und ohne Mädchen. Und all das spiegelt sich in seiner Musik wider. Eine
trotz ihrer Raffinesse sehr einfache Musik. Wunderbar. Die Melancholischen,
Einfachen, Kleinen sind mir ohnehin am liebsten.
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