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Quelle: Hans Weingartz |
Geschwätz von gestern.
Chapeau, Madame
Heidenreich!
Von Jobst-Ulrich Brand aus dem FOCUS,
17.10.2008:
Sie hätten eigentlich die Lobrede auf
den zu Ehrenden halten sollen, finden Sie. Nicht dieser
Gottschalk mit seinen „paar lächerlichen, banalen und eher
demütigenden Sätzen, die wohl die Laudatio sein sollten“.
Weil Sie viel näher dran seien an Reich-Ranicki, viel mehr
mit ihm zu tun hätten. Klar, wer sich ranschmeißt, der steht
nahe. Ach hätten Sie doch reden dürfen, seufzen Sie, „es
wäre etwas sehr Eisiges daraus geworden“ – ist es aber
nicht.
Schmollende Hinterbänklerin
Ach hätten Sie doch in Reihe vier gesessen, klagen Sie (was
Sie aber ausdrücklich auf keinen Fall wollten). Dann – oh
ja, bestimmt – wären Sie auf die Bühne gestürmt und
Reich-Ranicki beigesprungen und hätten gesagt: „Bitte lass
dir das nicht bieten.“ Stattdessen saßen Sie schmollend
ziemlich weit hinten im Publikum und dachten sich Ihren
Teil. Dort ist Ihnen dann aufgegangen: „Er braucht mich
nicht.“ Und das, immerhin, ist eine Erkenntnis.
Er braucht auch Ihren Unterstützungstext vom nächsten Tag
nicht. Er braucht niemand, der versucht, ihn zu toppen,
indem er die Veranstaltung „hirnlose Scheiße“ nennt (einen
Ausdruck, den Reich-Ranicki nie verwenden würde). Der die
Programmdirektoren und Intendanten (die Ihnen doch immerhin
den Sendeplatz geben, auf dem Sie sich als Epigonin
versuchen dürfen) als „verknöcherte Bürokarrieristen“
beschimpft, „die das Spontane längst verlernt haben, das
Menschliche auch, Kultur schon sowieso“.
Mitschwimmen im Kielwasser
Sie schämten sich, „in so einem Sender überhaupt noch zu
arbeiten“, schreiben Sie. Und: „Von mir aus schmeißt mich
jetzt raus. Ich bin des Kampfes eh müde.“ Sie könnten, wenn
es so ernst ist, allerdings auch selber gehen. Stattdessen
nahmen Sie schon am nächsten Tag in Stuttgart den
Hans-Bausch-Medienpreis des SWR entgegen, gingen auf die
Bühne und man hatte durchaus nicht den Eindruck, dass Ihnen
der Auftritt zuwider war. Sie hätten den Preis ablehnen,
Ihre Kritik am Fernsehen herausschimpfen, richtig auf den
Putz hauen können. Aber Sie forderten die
Fernsehverantwortlichen bloß dazu auf, Ihrer schwächelnden
Sendung „Lesen!“ einen besseren Sendeplatz zu geben.
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