Geschichten vom Wahnsinn des Alltags
Kolumnist Axel Hacke liest in der
Tafelhalle
Ein Gespräch mit Axel
Hacke von Birgit Nüchterlein in den Nürnberger Nachrichten
vom 29.03.2005:
Wer regelmäßig im Magazin der Süddeutschen
Zeitung blättert, kennt Axel Hacke längst. Seit 1997 kann man dort seine
Kolumne "Das Beste aus meinem Leben" lesen. Darin erzählt der
51-jährige Schriftsteller, Journalist und Vater von vier Kindern vom ganz
normalen Wahnsinn des Alltags mit seiner Frau Paola, Sohn Luis und dem
melancholischen Kühlschrank Bosch, vom Abenteuer, eine Ehe zu führen und
Kinder zu erziehen. Am 22. und 23. Januar (20
Uhr) liest Axel Hacke in der Nürnberger Tafelhalle aus seinen Texten.
(Kartentelefon: 0911/2162298).
Herr Hacke, seit 1997 haben Sie in "Das Beste aus meinem Leben" an die
500 Mal vom Alltag der Familie Hacke berichtet. Gibt's zwischen dem
Kolumnen-Familienvater Hacke und dem Autor Axel Hacke inzwischen
Gemeinsamkeiten?
Axel Hacke: Ja, natürlich! Eine Menge! Das ist wie ein Paralleluniversum. Mein
Leben und das Leben in der Kolumne laufen quasi nebeneinander her. Das bedeutet
aber auch, dass meine Welt in Wirklichkeit in vielen Teilen ziemlich anders
aussieht. Der Alltag, den ich selber habe, ist wie eine Art Steinbruch, wo man
Material findet. Eben Situationen, Personen und Dialoge, die dann in der
Geschichte ihren Platz finden. So kommt es, dass manche Texte eine reale Vorlage
haben, manche dagegen komplett erfunden sind.
Das bedeutet, Ihre Frau heißt nicht Paola, Sie
haben keinen Sohn namens Luis und Sie sprechen auch nicht mit Ihrem Kühlschrank.
Hacke (lacht): Nein, letzteres tu' ich nicht! Und ich habe auch andere Namen
gewählt, weil ich ja frei sein will im Erzählen. Wenn so eine Kolumne über
längere Zeit regelmäßig erscheinen soll, braucht man einfach Distanz zum
Privatleben.
Trotzdem: Viele Ihrer Leser sind wohl der Meinung, Sie selbst sind der Hacke, um den es da geht...
Hacke: Natürlich, und das ist auch okay so. Für mich ist das ein Spiel, ein Versteckspiel, das mir viel Spaß macht. Wie das bei mir in Wirklichkeit ist, muss die Leute auch gar nicht beschäftigen. Es geht ja um die Texte.
Apropos Texte: Fällt Ihnen denn auf Abruf immer etwas Prickelndes ein. Schließlich haben Sie auch eine Kolumne im Berliner Tagesspiegel.
Hacke: Ein Kolumnenschreiber ist jemand, den man immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort in einer Publikation treffen kann. Das ist wie eine Verabredung und die muss man als Autor eben einhalten. Gerade dieser Druck ist wichtig. Er ist manchmal lästig, es macht einen aber auch produktiv, wenn man mit dem Rücken zu Wand steht.
Eigentlich schreiben Sie ja über nichts besonderes, nämlich über den Alltag einer ganz normalen Familie. Warum wollen das trotzdem alle lesen und finden es witzig?
Hacke: Ich glaube, dass viele Menschen ihren Alltag in der Kolumne gespiegelt sehen. Sie sehen, dass dort die gleichen Probleme vorkommen, dass sie nicht damit alleine sind, wenn ihr Kind nachts schreit oder sie zu dick sind. Sie lesen über einen anderen, und diese Distanz macht es möglich, auch mal über die Probleme zu lachen. Außerdem hat der Hacke im Text eine gewisse Melancholie. Und eine gewisse Schwermut ist, glaube ich, Voraussetzung für guten Humor.
Nach Nürnberg bringen Sie nun auch Ihr "Kleines Handbuch des Verhörens" mit dem Titel "Der weiße Neger Wumbaba" mit...
Hacke: Das Büchlein hat sich aus einer "Das Beste..."-Kolumne entwickelt. Darin ging es darum, dass man gesungene Liedtexte oft falsch versteht, es aber nicht merkt. Das hat eine regelrechte Zuschriftenlawine ausgelöst. Die Leute schickten mir Beispiele von falsch verstandenen Liedern. Schließlich hab' ich das Material zu dem kleinen Buch gemacht.
Was macht für Sie eine gute Kolumne aus?
Hacke: Sie muss nicht unbedingt lustig sein, aber einen bestimmten Sound haben, den unverwechselbaren Stil des Autors. Wie ein guter Song soll sie swingen, etwas Leichtes, Schwebendes haben. Das muss man so in einem durchlesen können.
"Das Beste aus meinem Leben" läuft nun auch im ARD-Fernsehen. Gefällt's Ihnen?
Hacke: Teilweise schon. Der Sendeplatz freitags um 19 Uhr ist nicht optimal. Aber die Schauspieler finde ich bis in die Nebenrollen hervorragend.
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