Jubiläum: Johann Konrad Grübel starb vor 200 Jahren
Goethe lobte Schöpfungen des Mundartdichters in verschiedenen Briefen
Von Martin Stolzenau in den Nürnberger Nachrichten vom 6.03.2009:

Über seinen Tod vor 200 Jahren hinaus gilt Johann Konrad Grübel als äußerst gewandter Nürnberger Mundartdichter. Kritiker vergleichen seine Stellung für Nürnberg mit der von Johann Peter Hebel als alemannischen und Klaus Groth als plattdeutschen Mundartdichter. Selbst Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe lobte die Schöpfungen Grübels in verschiedenen Besprechungen und in Briefen an Friedrich von Schiller. Grübel starb am 8. März vor 200 Jahren.

Grübel entstammte einer alteingesessenen Handwerkerfamilie Nürnbergs. Sein Großvater und sein Vater wirkten in der Freien Reichsstadt als Flaschner sowie Harnischmacher. Johann Konrad wurde 1736 in Nürnberg geboren, wo er die Volksschule besuchte und vielseitige Begabungen offenbarte. Dabei ragten zunächst seine Zeichnungen und seine Musikalität heraus. Er besuchte deshalb zusätzlich die städtische Kunstschule. Außerdem erlernte der Handwerkersohn das Flöten- sowie Zitherspiel und den Umgang mit der Trommel.

Neben Beruf widmete er sich Kunst und Musik

Ungeachtet dieser Neigungen bestand der Vater auf eine Lehre im eigenen Geschäft. 1753 machte Grübel die Gesellenprüfung. Er war nun ebenfalls Flaschner, was dem Arbeitsgebiet eines späteren Klempners bzw. Blechschmieds entsprach, und blieb Mitarbeiter des Vaters. Parallel widmete er sich neben der Kunst und der Musik nun im wachsenden Maße der Literatur. Zu seinen Lieblingsschriftstellern zählten Gottlieb Wilhelm Rabener, ein satirischer Schriftsteller der frühen Aufklärung, und Christian Fürchtegott Gellert, der wohl populärste deutsche Dichter der Frühaufklärung. Beide waren Kursachsen.

Der erste eigene Schreibversuch Grübels ist der Überlieferung nach für 1757 anzunehmen. Doch seine Entwicklung als Poet verlief eher zögerlich. Von dieser Frühphase des dichtenden Handwerkers ist nichts überliefert. Grübel erwarb 1761 das Meisterrecht, danach übernahm er die Werkstatt des Vaters. Bei einer Turmreparatur an St. Sebald lernte der Flaschner die Tochter des Messners kennen, die er 1773 heiratete.

Zum mittleren Bürgertum Nürnbergs gehörig

Zwei Jahre später wurde er zum Stadtflaschner erhoben. Er war nun der Chef seiner Berufsinnung. Dazu gesellten sich die Ämter eines Geschworenen des Handwerks und des Gassenhauptmanns. Damit gehörte er zum mittleren Bürgertum Nürnbergs. Erst nach 1790 mauserte er sich zum echten Hobby-Schriftsteller. Ab 1798 erschienen von ihm in regelmäßigen Abständen fünf Bände, die deutschlandweite Verbreitung fanden.

Die diesbezügliche Palette seiner Schöpfungen reichte von Gedichten über Anekdoten sowie satirischen Plaudereien bis zur Briefform. Alles war recht virtuos in Mundart geschrieben, glänzte durch eine «verantwortungsbewusste Sprache», gutartigen Humor und überzeugte auch in der Form.

Themen des Alltags

Inhaltlich griff Grübel Themen des Alltags auf. Er ironisierte die Schwächen seiner Umwelt, immer liebevoll, nie bösartig. Das reichte von Modetorheiten über Erscheinungen von Geiz und Dummheit bis zu dem Kult, den manche Raucher betrieben:

«Su bald i fröih von Schlauf derwach’,/Souch i mei Pfeifla scho,/Und Abends, wenn i schlauf’n geih’,/Su hob i’s Pfeifla no;/ Des wos i denk’ und treib’n will,/Und alles, wos i thou,/Dös geiht mer alles nit su gout,-/Mei Pfeifla mouß derzou.»

Analog zu seinen literarischen Vorbildern Gellert und Rabener repräsentierte Grübel ebenfalls die Aufklärung sowie den Rationalismus, ehe er immer mehr zu einem frühen Vertreter des literarischen Biedermeier gedieh.

Die große Politik behandelte der Nürnberger Mundartdichter nur am Rande. Er war sich laut Goethe, der ihn gleichwohl lobte, «seiner Grenzen wohl bewußt» und «mit Bewußtsein ein Philister». Seine dichterische Ausstrahlung trug ihm allerlei Anerkennung aus berufenem Munde ein und letztlich auch die Aufnahme in den Pegnesischen Blumenorden seiner Vaterstadt, wo er am 8. März 1809 verstarb.

Seine letzte Ruhestätte fand Grübel auf dem Nürnberger Johannisfriedhof. Danach gab es verschiedentlich Nachauflagen seiner sämtlichen Werke. Ein Großteil seines handschriftlichen Nachlasses gehört inzwischen zum Bestand des Archives im Germanischen Nationalmuseum. Am Willstätter Gymnasium am Inneren Laufer Platz erinnert ein Brunnen an ihn, und gleich gegenüber führt die Grübelstraße zum Andrej-Sacharow-Platz an der Pegnitz.

Den vollständigen Bericht von Martin Stolzenau mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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