«Lebensschmuggler« zwischen den Sprachen
Auftakt des Erlanger Poetenfests mit dem deutsch-französischen Literaten Georges-Arthur Goldschmidt
Von Inge Rauh aus den Nürnberger Nachrichten vom 24.08.2007:

Zur Eröffnung des 27. Erlanger Poetenfests ist der in Paris lebende Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt mit dem «Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung« ausgezeichnet worden. Zuvor erzählte Goldschmidt, 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren, im lockeren Gespräch mit Wilfried F. Schoeller aus seinem Leben in zwei Sprachen und von seiner Arbeit als literarischer Brückenbauer zwischen Deutschland und Frankreich.

Es war ein Abend der sprachlichen Feinheiten, wie es sich für ein Dichtertreffen gehört, das sich nicht nur mit den aktuellen Bestsellerlisten beschäftigt. Denn noch immer treten hier auch Zeitzeugen auf, deren Erinnerungen an die ständige Bedrohung durch die Naziverfolgung unauslöschlich sind.

«Ich bin ein Lebensschmuggler, kein Überlebender«, sagt Georges-Arthur Goldschmidt, der sich sichtlich freut über die Hommage, die ihm in Erlangen zuteil wird. Als Zehnjähriger ist er von der hanseatischen Familie jüdischer Abstammung (sie konvertierte zum Protestantismus) nach Florenz geschickt worden, später kam er in ein Internat nach Frankreich.

Ein Leben zwischen zwei Stühlen

Wenn der Flüchtling von einst jetzt erzählt, klingt eine Spur der norddeutschen Färbung noch durch, überlagert von einem winzigen französischen Akzent: So äußert sich kaum hörbar, im Gespräch aber umso spürbarer, ein Leben «zwischen zwei Stühlen«. Georges-Arthur Goldschmidt, der in Erlangen auch zu einem erfahrungsreichen Exkurs über die lohnenden Mühen des Übersetzens ausholt, sieht sich in einer Pendelfunktion: «Das Französische hat mir die deutsche Sprache zurückgeschenkt«. Sie wurde, das bekennt er mit Nachdruck, für ihn zum lebenslangen Abenteuer.

Kein Wunder also, dass der Autor, der in seinen Büchern in vielen Varianten von den frühen Erfahrungen des Ausgesetztseins und der Angst berichtet, aus reiner Freude am Abenteuer allein 25 Bücher von Peter Handke ins Französische übersetzt hat, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet. Aber so ganz wissenschaftlich mag der Literat Goldschmidt auch nicht ergründen, wie ihm in zwei Sprachen der Brückenschlag gelingt.

Ohne die Attitüde des Theoretikers

Denn das hat ja auch entscheidend mit den Mentalitäten der jeweiligen Länder zu tun. «Es gibt Grenzen in der Sprache, wo man nicht durchkommt«, gibt Goldschmidt zu bedenken. «Dem Gedanken des kulturellen Transfers wird wenig Beachtung geschenkt«. Interessant, wie er erläutert, warum zum Beispiel die Begründung der Psychoanalyse durch Sigmund Freud so nur im Deutschen möglich war: «Ein Wort wie Verdrängung gibt es im Französischen gar nicht«....

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