Zsuzsanna
Gahse erhielt Chamisso-Preis
Von Stephan
Schwarz aus dem Münchner
Merkur, 17.02.2006:
"Eine Joyceianerin würde ich sie nicht nennen, aber vielleicht doch eine Finnegan's Wakeianerin", sagte der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy über Zsuzsanna Gahse, die in der Münchner Allerheiligen-Hofkirche den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung bekam. Neben Gahse wurden die aus dem Iran stammende Sudabeh Mohafez und die in Kasachstan geborene Eleonora Hummel mit Förderpreisen bedacht. Seit 1985 werden diese Auszeichnungen an deutsch schreibende Autoren vergeben, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft eine andere als die deutsche ist. Die Preise sind mit 15 000 und jeweils 7000 Euro dotiert.
In seiner kurzweiligen, mit doppelbödiger Ironie
spielenden Laudatio hob Péter
Esterházy die literarischen Qualitäten seiner Landsmännin Gahse hervor.
Ihr reflektiver Umgang mit den verschiedenen Idiomen, ihre Fähigkeit, Sprünge
innerhalb der Sprache in Augenschein nehmen zu können, resultiere aus ihrer
immer bewahrten "Freiheit und Disziplin der Daraufsicht von außen".
Roter Faden von Esterházys Ansprache war der stete Verweis auf Adelbert von
Chamisso, der trotz seiner Sozialisation im französischen Sprachraum als
deutscher Schriftsteller berühmt wurde.
Wie Chamisso begreift sich auch Zsuzsanna Gahse als deutsche Schriftstellerin.
1946 in Budapest geboren, gelangte sie 1956, nach der Flucht aus Ungarn, mit
ihren Eltern zunächst nach Wien, lebte später in Kassel und in Stuttgart. Zu
den Veröffentlichungen der mittlerweile in der Schweiz beheimateten Autorin
gehören Erzählbände ("Stadt, Land, Fluß", "Durch und
durch"), Romane ("Kellnerroman", "Nichts ist wie: oder Rosa
kehrt nicht zurück") und Übersetzungen aus dem Ungarischen.
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