Ken Follett, 2008, Foto: Ekko von Schwichow

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Ken Follett: "Lebe wirklich im Mittelalter"
Zum Finale des TV-Events "Die Säulen der Erde" (Samstag und Sonntag im ORF): Bestseller-Autor Ken Follett im KURIER-Interview.
Das Gespräch führte  Werner Rosenberger aus Kurier, Wien vom 20.11.2010:

Ken Follett ist Multi-Millionär und Sozialist. Er spielt regelmäßig in einer Bluesband, bezeichnet sich als Atheist und witzelt: "Ich möchte, dass man, wenn es eines Tages soweit ist, auf meinen Grabstein schreibt: ,The End'."
Mit weltweit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern gehört er zu den erfolgreichsten Bestseller-Autoren der Gegenwart. Aber wirklich glücklich ist der 61-jährige Brite, wenn er seinen Enkelkindern Geschichten erzählen kann.
ORF 1 sendet am Wochenende Teil drei und vier von "Die Säulen der Erde" (jeweils um 20.15 Uhr), die TV-Verfilmung von Folletts Roman um eine mittelalterliche Kathedrale.

Follett gefallen Drehbuch, Film und Cast: "Da sind großartige Schauspieler dabei. Natürlich waren Kürzungen unvermeidlich, denn ein Film erzählt die Geschichte in Bildern. Und ich erzähle sie in Worten."

Mini-TV-Auftritt

Dass er selber in einer Szene mitspielt, war Zufall: "Ich sah mir in Budapest die Dreharbeiten an. Da bekam ich einen kleinen Auftritt als Bauer. Das war nicht leicht: Entweder konnte ich den Text, aber vergaß zu spielen oder ich schauspielerte, aber kam mit dem Text durcheinander. Ich fürchte, ich war schlecht."

Was interessiert den Erfinder dieses Epos rund um Liebe und Hiebe, Schwerter und Sex am Mittelalter? "Einerseits die ungeheuer harten und brutalen Lebensbedingungen, die Machtkämpfe, die Kriege", sagt Follett im KURIER-Gespräch. "Andererseits die beginnende Zivilisation, die vielen Erfindungen, die das Weltbild der Menschen völlig auf den Kopf gestellt haben."
Ein mehr als 1000 Seiten dicker Roman ist ein Groß-Projekt: Zuerst macht Follett einen Plan, erfindet die Figuren, entwickelt die Handlung. Bei "Die Säulen der Erde" wurden Historiker und Architekten als Experten zu Rate gezogen. "Erst dann fange ich zu schreiben an, täglich rund sechs Seiten", sagt der Autor. "Da lebe ich dann tagsüber wirklich im Mittelalter mit meinen Figuren. Am Ende des Arbeitstages sage ich einfach: Schluss jetzt! Lebe mein normales Leben und belohne mich mit einem Glas Champagner."

Neue Trilogie

In seinem neuen Wälzer "Sturz der Titanen", dem ersten Teil einer Trilogie über das 20. Jahrhundert, erzählt Follett anhand verschiedener Familien in England, Russland, Deutschland und den USA über die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Leben der Menschen.

Follett besucht gern die Orte, über die er schreibt: Berlin, Washington - oder Buffalo. In natura, aber auch auf Google Earth, "um die Erinnerungen aufzufrischen".
So habe er sich bei der Arbeit an "Sturz der Titanen" immer wieder St. Petersburg angeschaut, die Lage der Straßen, der Brücken, um eine Szene wie den Sturm auf den Winterpalast lebendig schreiben zu können.

Produktion: Vierteiler wird fortgesetzt

Mammutprojekt
Bei dieser Produktion ist alles groß. Die Namen. Das Budget. Der Umfang.
Die vierteilige-Bestseller Verfilmung "Die Säulen der Erde" ist ein Mammutprojekt, gestemmt von "Tandem Communications". Die in München beheimatete Firma hat sich auf internationale Großproduktionen spezialisiert. Das Besondere: Von der Entwicklung über die Finanzierung bis zur Vermarktung macht "Tandem" alles selbst. In Partnerschaft mit anderen Produktionsfirmen - in diesem Fall mit Ridley und Tony Scotts "Scott Free Films " - und zahlreichen Fernsehstationen auf der ganzen Welt: Die 40-Millionen-Dollar-Produktion wurde in 170 Länder verkauft.
Und trifft den Massengeschmack. Das Mittelalterspektakel fuhr nicht nur in Österreich und Deutschland überdurchschnittliche Quoten ein, sondern reüssierte u. a. auch in den USA, Großbritannien und Spanien.

Fortsetzung
Bereits vor Start der Ausstrahlung hatte sich "Tandem Communication" die Rechte an "Die Tore der Welt", der Fortsetzung von "Die Säulen der Erde", gesichert. Der "epische Thriller voller Intrigen, Leidenschaft und Mord" soll nun ebenfalls fürs Fernsehen verfilmt werden. Wieder mit Scott Free als Partner, wieder mit "Säulen der Erde"-Drehbuchautor John Pielmeier.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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