Der Traum von einem Leben außerhalb
der Norm
Das Leben von Francis Scott Fitzgerald und seiner Frau
Zelda endet in
Alkohol und Schizophrenie
Von Sylvie-Sophie Schindler aus dem Münchner
Merkur, 25.08.2005:
Es war kein Ende, wie man es sich wünscht. Aber es war ein Ende, das sich einpasste wie ein Puzzlestück in ein Leben voller Tragödien. Francis Scott und Zelda Fitzgerald - ihre Geschichte ist dennoch nicht nur die zweier Scheiternder. Sondern auch die zweier Liebender. Und zweier Schreibender.
Zelda Sayre, die Tochter eines Richters aus
Alabama, ist das, was man eine Südstaatenschönheit nannte. Scott ist sofort
fasziniert von ihr, als er sie 1920 auf einem Ball trifft, sieht, wie sie tanzt,
umschwärmt von jungen Offizieren. Zelda vermutet in der Begegnung mit Scott
etwas Schicksalhaftes. In einem ihrer vielen Briefe an den Geliebten schreibt
sie:
"Glaubst du nicht, dass ich für dich gemacht bin? Mir ist, als hättest du
mich bestellt, und ich bin dir zugesandt worden, um von dir getragen zu
werden." Es reizt Zelda, dass ihr Auserwählter, wie er immer wieder
beteuert, bald Bestseller-Autor werden sollte. Nicht des Geldes wegen, sondern
weil sie sich von einem Leben außerhalb der Norm träumt, von Aufregung und
Trubel. Scott schreibt Tag und Nacht, wie ein Besessener, doch der Ruhm will
sich nicht einstellen. Enttäuscht löst Zelda die Beziehung. Nur wenige Wochen
später erscheint Scotts erster Roman, "Diesseits vom Paradies". Über
Nacht wird er zum gefeierten Schriftsteller. Zelda zögert keine Sekunde. Sie
kehrt zurück, acht Tage später heiraten die beiden. Jahre danach wird Scott
sagen: "Ich habe die Heldin meiner Romane geheiratet." Zelda, die sich
zunächst geschmeichelt fühlt, quält jedoch bald, dass jeder sie in Scotts
Hauptfiguren wieder erkennt: "Er hat die Mädchen oft so abscheulich
gemacht." Die Fitzgeralds ziehen nach New York, später quer durch Europa.
Überall, wo es auftaucht, sorgt das Paar für Furore. Man feiert extravagante
Partys, wohnt in luxuriösen Hotels, leistet sich Kostspieliges. Scott schreibt
inzwischen an "Die Schönen und Verdammten", seinem zweiten Roman.
Nicht zum letzten Mal lässt er sich vor allem von seiner exaltierten Frau, von
ihren Tagebüchern und Briefen inspirieren. Einem Freund gegenüber gibt er zu:
"Meine Geschichten basieren ausschließlich auf Zeldas Ideen."
Auch Zelda schreibt, unter anderem Kurzgeschichten und Artikel für
Wochenmagazine. Doch sie schafft es nicht, aus dem Schatten ihres erfolgreichen
Mannes herauszutreten. Vor allem deshalb nicht, weil ihre Geschichten fast
ausschließlich unter seinem Namen veröffentlicht werden. Scott begründet das
damit, dass die Verlage für seinen Namen mehr zahlen würden. Tatsächlich ist
sein Marktwert hoch: In seiner Glanzzeit bekommt Scott für eine "Short
Story" ein Honorar, das drei Jahresgehältern eines Arbeiters entspricht.
"Ich kann sie als schreibende Konkurrenz nicht ertragen."
F. C. Fitzgerald
Mitte der 20er-Jahre schwindet der Erfolg, das
Paar kämpft mit Geldproblemen, in der Ehe kriselt es stark. Zelda sucht
Ablenkung im Tanz, macht eine Ballettausbildung. Scott spült seinen Kummer mit
Alkohol herunter. "Mr. F. Scott (oder Scotch) Fitzgerald - die Fassade
beginnt zu bröckeln", spottet man in den Zeitungen. In Paris schreibt
Scott 1925 binnen fünf Monaten "Der große Gatsby". Vorbild für die
scheiternde Hauptfigur ist sein eigener, desaströser Lebensstil. Der Roman, der
1974 mit Robert Redford und Mia Farrow verfilmt werden sollte, verkauft sich zu
Scotts Lebzeiten jedoch schlecht.
Zeldas erste Versuche, einen Roman zu schreiben, machen Scott wütend: "Ich
liebe Zelda, aber ich kann sie als schreibende Konkurrenz nicht ertragen. Und
doch, 1930 wird Zeldas autobiografischer Roman "Schenk mir den Walzer"
veröffentlicht. Es werden 1392 Exemplare verkauft, eine Tatsache, die Scott
versöhnlich stimmt: "Zelda ist nur eine drittklassige
Schriftstellerin." Kurz darauf erleidet Zelda einen Nervenzusammenbruch, es
folgen mehrere Sanatoriumsaufenthalte. Die Diagnose: Schizophrenie.
"Vielleicht wäre sie ein Genie geworden, wenn sie mir nie begegnet wäre",
sagt Scott.
Die Ehe scheitert. Nachdem 1934 sein letzter vollendeter Roman, "Zärtlich
ist die Nacht", ein Misserfolg wird, nehmen seine Alkoholexzesse zu. Scott
endet als Lohnschreiber in Hollywood. 1940 erleidet er einen Herzinfarkt und
stirbt im Alter von 44 Jahren. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitet Scott an dem
Roman "Der letzte Tycoon" - eine Abrechnung mit Hollywood. Zelda überlebt
ihn um acht Jahre. Sie stirbt bei einem Brand in einer Nervenklinik. Zeldas
Leiche kann nur anhand ihres Schmucks identifiziert werden, eines Diamantrings
mit der Gravur: "Forever Scott".
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.merkur-online.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0307 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Münchner Merkur