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Willi Fährmann wird 80 Jahre alt
Die Auflage seiner rund 50 Bücher geht in die Millionen -
Jugendbuchautor Willi Fährmann („Jahr der Wölfe“, „Der lange Weg des Lukas B.“)
feiert am 18. Dezember seinen 80. Geburtstag. Im Interview verrät er, wie er als
Kind an seinen Lesestoff kam.
Von Jens Dirksen in der NRZ vom 17.12.2009:
Mit Willi Fährmann feiert am Freitag, 18. Dezember 2009, einer der bekanntesten deutschen Jugendbuchautoren Geburtstag: Vor 80 Jahren wurde Fährmann in Duisburg- Beeck geboren. Der gelernte Maurer kam Anfang der 50er Jahre über die Sonderbegabtenprüfung zum Lehrerstudium, unterrichtete zunächst in Ruhrort; 1963 wechselte er als Schuldirektor ins niederrheinische Xanten. Dort besuchten ihn Jens Dirksen zum Gespräch.
Herr Fährmann, fünf Schulen sind nach Ihnen benannt, ist das nicht ein merkwürdiges Gefühl?
Willi Fährmann: Ich glaube, inzwischen sind es sechs. Beim ersten Mal habe ich mich noch heftig gesträubt und gesagt: Wartet doch noch die paar Jährchen… Aber dann war es eine Schule für Sprachbehinderte in Recklinghausen. Da war ich mit dem Namen „Fährmannschule“ einverstanden, weil er dazu passt. Aber dann hat der Stadtrat am Ende gesagt: Der Mann hat doch auch einen Vornamen!
Apropos: Welche Bücher hat der kleine Willi gelesen?
Willi Fährmann: Ich hatte anfangs ein einziges Bilderbuch, damals in Beeck. Ich weiß den Titel nicht mehr, ich weiß nur noch, dass der Reim „Du armes Schwein, du tust mir leid, du lebst nur kurze Zeit“ drin vorkam. Es endete dann auch in der Metzgerei in der Wurst. Vermutlich also ein frühes Sachbuch.
Das dürfte kaum der Nährboden für den Autor Willi Fährmann gewesen sein.
Willi Fährmann: Nein, aber es gab da einen Hausfriseur, der kam alle 14 Tage zu uns und schnitt den fünf Männern im Haus für 25 Pfennige die Haare. Er bekam pro Schnitt eine Flasche Bier aus dem Deputat meines Vaters, der in der König-Brauerei arbeitete. Da wurden die Frisuren von Kopf zu Kopf kreativer. Dieser Friseur war auch ehrenamtlicher Leiter der Pfarrbücherei und brachte uns Bücher mit, die er gegen Bier tauschte. Ich kam also durch Liter zur Literatur. Meine Mutter las am liebsten kitschige Lore-Romane und verdrückte so manches Tränchen dabei; meine Oma wiederum erzählte viel von früher und den alten Zeiten, meist so kuriose Geschichten, dass sie selber darüber lachen musste. Da habe ich erfahren: Geschichten können einen zum Weinen und zum Lachen bringen.
War Ihr erstes Buch denn eher lustig oder rührend?
Willi Fährmann: Ach, nein, das war eine Abenteuergeschichte, am Schreibtisch ausgedacht, nach heutigen Maßstäben großer Käse. Vielleicht etwas besser, etwas realistischer als die damalige Kinderliteratur. Man wollte ja damals vor allem brave, angepasste, fromme Kinder haben und diesem Ziel dienten auch die Bücher. Jedenfalls hat der mutige Verleger in Ruhrort, der 3000 Stück meines ersten Buches drucken ließ, schon in den ersten Wochen die Hälfte davon verkauft. Und dann machte ein gnädiges Rheinhochwasser den Rest der Auflage unbrauchbar.
Und Ihr erstes „richtiges“ Buch war dann „Das Jahr der Wölfe“?
Willi Fährmann: Ja, ein Freund aus Berlin hat mir seine Geschichte der Flucht aus Ostpreußen im Zweiten Weltkrieg erzählt, und meine Frau sagte: Schreib das auf, sonst ist das in 30, 40 Jahren vergessen. Ich habe dann 18 Monate recherchiert. Der Herder Verlag hat das Manuskript aber abgelehnt, so etwas Realistisches gab es nicht in der Jugendliteratur. Der Arena Verlag hat es dann aber gedruckt. Damit war die Schranke zwischen Jugendliteratur und Belletristik gefallen. Dahinter wollte ich dann nicht wieder zurück.
Heute lesen viele Erwachsene wieder Bücher, die für Kinder gedacht sind.
Willi Fährmann: Die Kinder-und Jugendliteratur hat sich emanzipiert. Die Menschen werden in literarischen Jugendbüchern nicht uniform in gute und böse aufgeteilt. Eine Ausnahme ist allerdings oft die Phantasy-Literatur. Bei den meisten dieser Bücher fällt mir auf, dass die Figuren wenig Wandlungen durchmachen, die Welt ist klar aufgeteilt in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse.
Aber so ist die Welt nicht.
Willi Fährmann: Und auch das menschliche Wesen nicht. Deshalb sollten auch Bücher die Personen differenziert schildern, gute und böse Eigenschaften gibt es in jedem von uns. Sie lesen nach wie vor viele Kinder- und Jugendbücher?
Willi Fährmann: Ja, aber 80 Prozent davon kann man leider vergessen, das bleibt nicht.
Ein gutes Jugendbuch der letzten Zeit?
Willi Fährmann: „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Es ist völlig zurecht mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden.
[...diesen und weitere Berichte finden Sie unter www.nrz.de]
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