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| Foto: Ekko von Schwichow www.schwichow.de |
Das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen
Nürnberg und Krakau wird 2009 in beiden Städten gefeiert. Zum Auftakt gab es in
Nürnberg eine Lesung mit Ryszard Krynicki
und Hans Magnus Enzensberger sowie die Einweihung eines Gedichtsteins von Sabine
Richter auf dem Unschlittplatz.
Kaspar Hauser, dem mysteriösen «Kind Europas«, hat der polnische Lyriker
Ryszard Krynick ein Gedicht gewidmet. Als
Schriftband ist es nun in deutscher und polnischer Sprache im Kopfsteinpflaster
auf dem Platz eingelassen, wo das Findlingskind im Mai 1828 auftauchte.
Natürlich trug Krynicki, der seit Werner Herzogs
Film «Jeder für sich und Gott gegen alle« von Kaspar Hauser fasziniert ist, sein
Gedicht auch bei der Lesung im vollbesetzten Katharinensaal vor. Auf Einladung
des Krakauer Hauses war der 65-jährige Schriftsteller und Kulturvermittler
bereits mehrmals in Nürnberg zu Gast. Diesmal kam er in Begleitung von Hans
Magnus Enzensberger, von dem er schon einige Gedichte ins Polnische übertragen
hat.
Kindheit in Nürnberg
Enzensberger hat bekanntlich seine Kindheit in Nürnberg verbracht, irgendwann
auch einmal den Kulturpreis der Stadt erhalten und wird im November 80 Jahre
alt. Was man ihm überhaupt nicht ansieht. Jungenhafter Charme, stete Neugier und
freundliche Ironie zeichnen den Dichter und Denker immer noch aus.
Auch er hat sich ausführlich mit dem Phänomen Kaspar Hauser beschäftigt und
darüber in der «Anderen Bibliothek« einen Band herausgegeben. Zur eigenen
literarischen Auseinandersetzung hat ihn Hauser aber nicht gereizt. «Darüber
haben doch schon andere zur Genüge geschrieben«, merkt Enzensberger an.
Auf Spaziergängen erkundet er gerne seine alte Heimatstadt, die ihm mit der Zeit
etwas fremd geworden ist. Erst vor kurzem war er mit einem Filmteam zu
Dreharbeiten wieder in dem Haus am Keßlerplatz, wo seine Familie bis 1942
wohnte. Nürnberg ist für Enzensberger mit der Nazi-Zeit verbunden, wie ein neues
Gedicht beweist: «Aus den Erinnerungen einer alten Dame« stammt aus dem
Lyrikband «Rebus«, der im April erscheinen wird.
«Meister der Kürze«
Mit geistreich funkelnden Texten wie diesem stahl der redegewandte Deutsche an
diesem Abend seinem wortkargen polnischen Dichterfreund ungewollt die Show, auch
wenn er zwischendurch das fehlende Gleichgewicht anmahnte. Krynicki verliert
nicht viele Worte und ist laut Enzensberger ein «Meister der Kürze«, seine
Gedichte sind prägnant wie Aphorismen. Sein schmales Werk gilt in der modernen
polnischen Lyrik als beispielhaft.
Bei der zweisprachigen Dichterlesung befragte Gastgeberin Grazyna Wanat,
Leiterin des Krakauer Hauses, die Autoren auch nach ihrem Verhältnis zum
jeweiligen Nachbarland.
Krynicki, 1943 in einem österreichischen Lager geboren, wo seine Eltern als
Zwangsarbeiter für Hitlers Rüstungsindustrie interniert waren, hat erst mit 33
Jahren Deutsch gelernt, weil er Rilkes
Gedichte im Original lesen wollte. Enzensberger schwärmte vom goldenen Zeitalter
der Lyrik in Polen nach 1945. Und er lobte die Arbeit des Übersetzens, denn
dabei könne man viele Tricks lernen.
Das Publikum verfolgte den deutsch-polnischen Gedankenaustausch gespannt, bevor
es sich am Ende in langen Schlangen anstellte, um sich Bücher signieren zu
lassen.
Die komplette Rezension von radl
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