Schreiben im Abseits.
Erinnerung an die Autorin Elisabeth Engelhard
Von Gerd Berghofer aus den Nürnberger Nachrichten vom 11.03.2005:

Bescheidenheit. Wenn man die Biographie der 1978 mit 53 Jahren viel zu früh verstorbenen Elisabeth Engelhardt liest, dann wird diese Tugend greifbar. Engelhardt, die heute 80 Jahre alt geworden wäre, war ein bescheidener Mensch. Still und sympathisch zurückhaltend. Und so schrieb sie auch: Unaufdringlich, doch präzise. Mit halbherzigem Formulieren gab sie sich nicht zufrieden. Das Resultat bilden bis heute eindringliche, leise Texte.

Das Schreiben machte sie zur Außenseiterin in Leerstetten, einem Dorf, in dem man naturgemäß eher praktisch veranlagt war. Elisabeth Engelhardt war ein Landkind, das Bücher verschlang und bald entdeckte, dass sie schreiben musste. Davon leben konnte die Engelhardt nicht - zeitlebens arbeitete sie als Dekorationsmalerin an den Städtischen Bühnen in Nürnberg - tagsüber. Ein Zustand, der an ihren Kräften zehrte. Denn nachts schrieb sie. Auf diese Art und Weise entstanden die beiden Romane, die den Kern ihres schmalen Werkes darstellen: „Feuer heilt“ und „Ein deutsches Dorf in Bayern“ (wieder aufgelegt bei ars vivendi).

Ihr Erstling „Feuer heilt“ fand große Beachtung. Sie schilderte darin die Drangsal einer Außenseiterin, einer gewissen Genoveva, die beschuldigt wird, Hexerei zu betreiben. Dabei ist die Protagonistin weltoffener und vorwärtsgewandter als alle anderen. Zumindest ein Stück weit dürfte Elisabeth Engelhardt hier das Empfinden ihrer eigenen Situation eingearbeitet haben.

Kurze Zeit hatte sie auch Kontakte zur „Gruppe 61“. Doch wirklich wohl fühlte sie sich in der stark politisch ambitionierten Gruppe nicht. Zwar war sie nicht unpolitisch, aber die Massivität, mit der die Gruppe zur politischen Aussage drängte und sogar eine Spaltung in Kauf nahm, lag der subtilen Autorin so wenig wie der Hang zu Dokumentartexten, die damals in der Gruppe gepriesen wurde. 

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