Annette von Droste-Hülshoff auf einer Fotografie aus dem Jahr 1845, Foto: zeno.org/wikipedia.org (hf0712)Eine kuriose Heimkehr
Das Sterbebett der Droste ist wieder in Münster
Reportage von Elisabeth Höving aus der WAZ , 16.05.1998:

„Mehr Licht“ sollen Goethes letzte Worte gewesen sein. Was Annette von Droste-Hülshoff in ihrer Todesstunde gesagt hat, ist nicht überliefert. Dafür ist jetzt ihr Sterbebett wieder aufgetaucht und ab sofort im Rüschhaus in Münster zu besichtigen.

Die adlige Biedermeier-Dichterin (1797-1848) ist allerdings nicht, wie von ihr gewünscht, in ihrer so geliebten westfälischen Heimat gestorben, sondern vor nunmehr 150 Jahren auf der Meersburg am Bodensee. Dort liegt sie auch begraben. Ironie des Schicksals, dass nun nur ihr Sterbebett wieder ins ehemalige Wohnhaus gelangt ist. Wiederentdeckt wurde das Bett kurioserweise von Recklinghausens Stadtdirektor Peter Borggraefe. Der Germanist und Historiker machte vor acht Wochen bei historischen Recherchen die Bekanntschaft mit der Urgroßnichte der Dichterin, Sigrid Schürholz, eine geborene Freiin Droste zu Hülshoff. Die erzählte von dem Schatz auf dem Dachboden ihres Nottulner Hauses. Der Stadtdirektor gewann die VEW Dortmund als Sponsor, der die fünfstellige Kaufsumme aufbrachte. Die Stadt Recklinghausen erwarb das Bett und stellt es nun als Dauerleihgabe dem Museum Rüschhaus in Münster zur Verfügung.

Zwei Gutachter bestätigten die Echtheit des Möbels, an dessen Kopfteil noch das von den Nachfahren angebrachte Etikett „Sterbelade von Annette von Droste-Hülshoff“ klebt. Die Herkunft konnte lückenlos geklärt werden. Schwerkrank verfasste die gerade erst 50jährige Dichterin im Sommer 1847 ihr Testament, vermachte darin ihren Besitz fünf unverheirateten Nichten. 1982 gelangte das Droste-Bett in den Besitz der Urgroßnichte.

Die nutzte das dunkelbraune, 1,85 Meter lange Biedermeierbett aus Linde und Nussbaum zwar noch eine Weile als Schlafstätte für Tochter und Enkelin, dann aber geriet es auf dem Speicher in Vergessenheit. Die todkranke Dichterin, in Leben und Literatur eine tragische Außenseiterin, ließ sich im Haus ihrer Schwester Jenny am Bodensee pflegen. Hier diktierte sie im Bett ihr letztes Gedicht.

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