Nimm zwei: Kultureller Ehrenpreis an Dorst/Ehler
Von Itz aus dem Münchner
Merkur, 24.01.2006:
"Wenn denn das Theater Leben ist . . .",
sagte/ fragte Ursula Ehler, bevor sie - als Dank - einen kleinen Text vorlas
über Schauspieler. Dass das Theater Leben ist, aber war ganz offenbar bei der
Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Stadt München im Alten Rathaus.
Ein Novum in der 48-jährigen Geschichte dieser Auszeichnung: Erstmals ging sie
an zwei Persönlichkeiten - nämlich an den Dramatiker Tankred Dorst
("Merlin") und seine Co-Autorin und Ehefrau Ursula Ehler. Zur
Lobpreisung sprachen OB Christian Ude, der launig aus seinem, vor 40 Jahren in
einer Schüler-Zeitung erschienenen Dorst-Artikel zitierte, sowie
Hanser-Verleger und Schriftsteller Michael
Krüger, der die Laudatio hielt. "Große Kunstwerke haben an
entscheidender Stelle einmal Glück gehabt", berief er sich auf Adorno und
traf damit exemplarisch die oft unverhoffte politische Brisanz, die viele
Dorst-Stücke ("Große Schmährede", "Toller", "Herr
Paul") zur Zeit ihrer Uraufführung aktuell erhielten. Darüber hinaus
sparte Krüger aber nicht mit Kritik an der Stadt, die erst den 80. Geburtstag
Dorsts zum Anlass brauchte, ihn zu würdigen: Im Gegensatz zu dem komplexen Werk
von Dorst und Ehler wirke der Kulturelle Ehrenpreis, so der Laudator, "wie
ein verspäteter Schluckauf".
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