Nevfel Cumart, 2011, Foto: privat (hf0211)Ein Wanderer zwischen zwei Welten
Dichter und Grenzgänger: Der BR zeigt ein Porträt von Nevfel Cumart
Von Regina Urban in den Nürnberger Nachrichten vom 15.08.2009:

In der Reihe «Lebenslinien« sendet das Bayerische Fernsehen am Montag (21.45 Uhr) ein Porträt über den in Bamberg lebenden Schriftsteller Nevfel Cumart, einem der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker türkischer Abstammung.

BR-Autorin Evelyn Schels ist mit Cumart zu den Stationen seiner Kindheit und frühen Jugendzeit gereist, hat ihn ins südtürkische Adana, Heimatstadt seiner Eltern, begleitet, und ins norddeutsche Stade, wo Cumart aufgewachsen ist und sein Vater noch heute lebt. Sie zeigt ihn bei Lesungen in Schulen und zuhause in Bamberg zusammen mit seiner griechischen Frau Sofia und Töchterchen Amelia.

Meine Heimat ist die Fremde

«Meine Heimat ist die Fremde« lautet der Titel des Porträts. In Bamberg, bei seiner Familie, hat der «Wanderer zwischen den Welten« dann doch eine Heimat gefunden. «Ohne meine Frau und meine Tochter wäre ich aufgeschmissen«, formuliert es der 45-Jährige einmal drastisch. «Sie sind der Ort, an den ich von meinen Reisen zurückkehren kann, wo Harmonie herrscht und ich Kraft tanken kann.«

Das sind keine Floskeln, sondern sehr ernst gemeinte Worte, deren große Bedeutung sich vor dem Hintergrund von Cumarts Biografie erschließt. Schon früh musste er als ältestes von vier Kindern und weil er am besten Deutsch sprach Verantwortung übernehmen, er bekam die elterliche Härte und Strenge am stärksten zu spüren und stand stets unter dem Druck, einerseits die tradionellen Ansprüche seiner Eltern zu erfüllen und sich andererseits dem deutschen Leben anzupassen. «Damals habe ich alles in mich hineingefressen«, erinnert er sich.

Liebenswerter Mensch

Cumart hat lange gebraucht, um sein Grenzgängertum als Deutscher und Türke irgendwann auch als Bereicherung zu empfinden. In Schels’ Film begegnet man einem ungemein sensiblen, feingeistigen und liebenswerten Menschen, der inzwischen auch über vieles schmunzeln kann und Schulkindern auf so hinreißend-charmante Weise ein bitter-trauriges Liebesgedicht vorträgt, dass diese mit offenem Mund lauschen.

«Ich würde mich sehr freuen, wenn es meine Tochter leichter hat als ich«, sagt Cumart. Auch wenn er es längst geschafft hat, als preisgekrönter Dichter, Übersetzer und Kulturvermittler große Anerkennung genießt, weiß er aus eigener Erfahrung, wie schwierig bis heute ein Leben zwischen den Kulturen ist. Sein Heilmittel für die erlittenen Wunden hat er in der Liebe und in seinen Gedichten gefunden.

Die komplette Besprechung mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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