Ein Wanderer zwischen
zwei Welten
Dichter und
Grenzgänger: Der BR zeigt ein Porträt von Nevfel
Cumart
Von Regina Urban in den Nürnberger
Nachrichten vom 15.08.2009:
In der Reihe «Lebenslinien« sendet das Bayerische
Fernsehen am Montag (21.45 Uhr) ein Porträt über den in Bamberg lebenden
Schriftsteller Nevfel Cumart, einem der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker
türkischer Abstammung.
BR-Autorin Evelyn Schels ist mit Cumart zu den Stationen seiner Kindheit und
frühen Jugendzeit gereist, hat ihn ins südtürkische Adana, Heimatstadt seiner
Eltern, begleitet, und ins norddeutsche Stade, wo Cumart aufgewachsen ist und
sein Vater noch heute lebt. Sie zeigt ihn bei Lesungen in Schulen und zuhause in
Bamberg zusammen mit seiner griechischen Frau Sofia und Töchterchen Amelia.
Meine Heimat ist die Fremde
«Meine Heimat ist die Fremde« lautet der Titel des Porträts. In Bamberg, bei
seiner Familie, hat der «Wanderer zwischen den Welten« dann doch eine Heimat
gefunden. «Ohne meine Frau und meine Tochter wäre ich aufgeschmissen«,
formuliert es der 45-Jährige einmal drastisch. «Sie sind der Ort, an den ich von
meinen Reisen zurückkehren kann, wo Harmonie herrscht und ich Kraft tanken
kann.«
Das sind keine Floskeln, sondern sehr ernst gemeinte Worte, deren große
Bedeutung sich vor dem Hintergrund von Cumarts Biografie erschließt. Schon früh
musste er als ältestes von vier Kindern und weil er am besten Deutsch sprach
Verantwortung übernehmen, er bekam die elterliche Härte und Strenge am stärksten
zu spüren und stand stets unter dem Druck, einerseits die tradionellen Ansprüche
seiner Eltern zu erfüllen und sich andererseits dem deutschen Leben anzupassen.
«Damals habe ich alles in mich hineingefressen«, erinnert er sich.
Liebenswerter Mensch
Cumart hat lange gebraucht, um sein Grenzgängertum als Deutscher und Türke
irgendwann auch als Bereicherung zu empfinden. In Schels’ Film begegnet man
einem ungemein sensiblen, feingeistigen und liebenswerten Menschen, der
inzwischen auch über vieles schmunzeln kann und Schulkindern auf so
hinreißend-charmante Weise ein bitter-trauriges Liebesgedicht vorträgt, dass
diese mit offenem Mund lauschen.
«Ich würde mich sehr freuen, wenn es meine Tochter leichter hat als ich«, sagt
Cumart. Auch wenn er es längst geschafft hat, als preisgekrönter Dichter,
Übersetzer und Kulturvermittler große Anerkennung genießt, weiß er aus eigener
Erfahrung, wie schwierig bis heute ein Leben zwischen den Kulturen ist. Sein
Heilmittel für die erlittenen Wunden hat er in der Liebe und in seinen Gedichten
gefunden.
Die komplette Besprechung mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten
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