Comeback des
Altmeisters Cohen
Der
große Dichter und Sänger Leonard Cohen wird 75
Von Steffen Radlmaier
in
den Nürnberger Nachrichten
vom 16.9.2009:
Auf seine alten Tage wollte es Leonard Cohen noch einmal
wissen, ging auf eine ausgedehnte Welttournee – und schaffte ein unerwartetes
Comeback. Am 21. September feiert der kanadische Dichter und Sänger seinen 75.
Geburtstag mit einem Open-Air-Konzert in Barcelona.
Cohen-Fans, denen der Weg nach Spanien doch ein bisschen weit ist, können sich
ersatzweise mit einem Film-Porträt trösten: Morgen, 17. September, 23 Uhr,
strahlt der SWR zum ersten Mal im deutschen Fernsehen Lian Lunsons
aufschlussreiche Dokumentation «Leonard Cohen - I’m Your Man» aus.
Die Künstlerbiografie ist geschickt mit Ausschnitten aus einer Konzert-Hommage
verknüpft, die 2005 in Sydney stattfand. Bekannte Sänger wie Nick Cave, Antony,
Jarvis Cocker oder Linda Thompson interpretieren Cohen-Songs auf ihre Weise. Zum
Schluss singt Leonard Cohen zusammen mit der irischen Rockband «U2» seinen Hit
«Tower of Song».
Ruf als Frauenheld
Dazwischen gibt der Altmeister Auskunft über sein Leben und Werk: Er erzählt von
seiner jüdischen Kindheit in Montreal, seinem zweifelhaften Ruf als Frauenheld,
von seiner späten Musik-Karriere und von seiner Sinnsuche im kalifornischen
Zen-Kloster. Hier fand der melancholische Künstler nach einer Zeit der Krisen
sein seelisches Gleichgewicht wieder. Den Ruhestand musste er allerdings aus
finanziellen Gründen unterbrechen: Seine Ex-Geliebte und Managerin Kelley Lynch
hatte ihn um millionenschwere Rentenrücklagen betrogen.
Leonard Cohen war bereits als Lyriker und Romancier erfolgreich, als er 1967
sein erstes Album auf den Markt brachte. Mit seiner dunklen Stimme und Songs wie
«Suzanne» oder «Hallelujah» etablierte sich der stets im eleganten Anzug
auftretende Sänger schon bald als Klassiker des Genres.
Früher Tod des Vaters
Der Berliner Blumenbar-Verlag bringt Cohens literarisches Werk in neuen
deutschen Übersetzungen heraus. Nach dem Gedichtband «Buch der Sehnsüchte» ist
soeben Cohens autobiografisches Romandebüt «Das Lieblingsspiel» in der Fassung
von Gregor Hens erschienen. Es handelt vom frühen Tod des Vaters, von
nächtlichen Abenteuern in Montreal und von ersten Liebeserfahrungen. Themen, die
in Variationen auch in den Songs von Leonard Cohen immer wieder auftauchen.
Am besten feiert man den Geburtstag dieses großen Dichtersängers und
Sinnsuchers, indem man sich seine Songs anhört: Es gibt einen wunderbaren
Live-Mitschnitt des Londoner Konzerts vor einem Jahr und - ganz neu - ein Album
seiner «Greatest Hits» (beide bei Sony Music).
Den vollständigen Bericht von Steffen Radlmeier mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten!
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