Kunst:
Canetti war eine ziemliche Ratte
Marie-Louise
von Motesiczky, Malerin und Geliebte Elias
Canettis
von
Michael Huber aus Kurier,
Wien, vom 19.7.2011:
Die Wiener Kunsthandlung Wienerroither & Kohlbacher hat
nun die erste Verkaufsausstellung für Motesiczkys Werke in Europa ausgerichtet
(bis 31. Juli): Die Nachlassverwalter gaben eine Reihe von Werken frei, die die
Entwicklung der Malerin von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit hin zu einer
eigenständigen, modernen Bildsprache nachvollziehbar machen.
Dass Motesiczky mit Kokoschka befreundet war und bei Max Beckmann studiert
hatte, verlieh ihrem Werk früh ein Qualitätsprädikat - auch in der Wiener
Ausstellung waren bisher frühe Arbeiten besonders gefragt, sagt Galerist Alois
Wienerroither, der z. B. das Stillleben "Stockerl/Stool" (1927) um 41.500 Euro
verkaufte.
Doch im späteren Werk kommt der beißende Humor und der hintergründige
Symbolismus oftmals noch besser zum Vorschein: Da bannte Motesiczky neben der
Ratte auch noch Fantasiewesen ins Bild ("Der Zauberfisch", 1956, 171.000 €) oder
stellte sich selbst mit Pinsel und Malerpalette wie eine Kriegerin dar
("Konfrontation im Wald", 1970, 41.500 €). In der höchst persönlichen Umsetzung
von Befindlichkeiten ist Motesiczky hier am ehesten mit Maria Lassnig
vergleichbar, auch wenn sie einer völlig anderen Generation entstammte: In den
Bildern der emigrierten Adeligen lebt ein Teil jenes modernen Geistes fort, der
1938 so brutal verbannt worden war.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]
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